Zwischen Schule und Kamera: Florentine dreht einen Film

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Florentine und Mats werden von der Garderobenfrau am Filmset eingekleidet.

Sie wurde richtig entdeckt - wie man das von Models und Kinostars manchmal hört. Florentine Burkhardt kommt aus Hamburg. Dort hatte jemand von einer Casting-Agentur das Mädchen auf dem Spielplatz gesehen und angesprochen.

Da war sie noch ganz klein. Inzwischen ist Florentine zwölf, hat schon für Nutella Werbung gemacht und in mehreren Filmen mitgespielt. An diesem Tag steht Florentine gerade für einen großen Film im ZDF vor den Kameras. Gedreht wird in einem Abbruchhaus in Duisburg in Nordrhein-Westfalen. Sie lacht sich kaputt, als die Maskenbildnerin ihr Menthol in die Augen tröpfelt. Das soll bewirken, dass ihr die Tränen kullern. "Das finde ich lustig", kichert sie. Und im nächsten Augenblick, als die Kamera läuft, spielt sie schluchzend eine traurige Abschiedsszene.

"Irgendwie ganz cool", findet Florentine auch ihr altmodisches honiggelbes Kleid, das sie gerade trägt. Gefilmt wird nämlich eine ältere Geschichte. Es geht um eine Mutter, die nach dem Zweiten Weltkrieg - der war 1939 bis 1945 - im kaputten Deutschland ihre zwei Kinder ernähren muss. Florentine spielt die Tochter Bärbel.

Um Florentine herum stehen Kameraleute und Beleuchter. "So, Rock n'Roll, wir drehen", ertönt ein Ruf. "Der Ton läuft!" Stille am Set. Dann kommt ein Schluchzen. Florentine und ihr Filmbruder, gespielt vom elfjährigen Mats Köhlert, weinen. Mehrmals müssen die beiden diese Szene genau gleich spielen. Erst dann sind sie damit fertig.

Für ihre zweiwöchigen Dreharbeiten haben Florentine und Mats schulfrei bekommen. So toll ist das aber nicht. Florentines Vater ist am Set immer dabei. Er passt auf, dass die Schule trotzdem nicht zu kurz kommt. Nachmittags im Hotel liegen für Florentine schon die Faxe eines Mitschülers aus der siebten Klasse mit den Hausaufgaben bereit.

"Die überwiegende Zeit des Jahres ist sie Schülerin, und zwar hauptberuflich", sagt Florentines Vater streng. Für ausgefallene Stunden bekommen Filmkinder zum Beispiel Nachhilfe-Gutscheine. Wegen der Dreharbeiten haben die zwei ihre Klassenarbeiten verpasst - etwa in Latein, Deutsch, Religion und Mathe. Die müssen sie nachschreiben.

Trotzdem: Die Zahl der Freunde in der Klasse hat sich für beide erhöht, seit sie beim Film sind. Ein Mädchen sei aber auch ziemlich neidisch auf sie, sagt Florentine. "Ich habe viele Freunde in der Klasse", erzählt Mats. Einer habe ihn aber auch schon gehänselt wegen seiner komischen Scheitel-Frisur, die er für den Dreh verpasst bekommen hat. Der Mitschüler hat ihn deshalb "Kokosnuss-Kopf" genannt.

Ich will zum Film! Was tun?

Manche Leute werden auf der Straße angequatscht: Ob sie vielleicht mal zum Film wollen, fragen Casting- Leute. Wie immer bei Fremden, sollte man dann seine Eltern einschalten. Denn wer weiß, ob die Typen die Wahrheit sagen?

Es gibt aber noch einen anderen Weg, wenn man zum Film will. Man kann sich auch - zusammen mit den Eltern - bei einer Casting-Firma melden und sich dort bewerben. Die suchen oft neue Gesichter. Und es gibt sogar extra Agenturen für Kinder.

Dazu kann man sich Listen im Internet angucken, etwa unter http://dpaq.de/C2vSV .

Für Kinder ist zum Beispiel die Agentur Kids: www.agenturkids.de . Oder die Vermittlungsagentur Star Movie Kids - www.starmoviekids.de . Auch die Agentur Gesche Reimers in Hamburg nimmt Bewerbungen für Kinder an: www.geschereimers.de

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