Wo Zirkuskinder zur Schule gehen

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Marylin Störtz, Antoinette Haas, Karle Weeber, Philipp Gronen und Nicola Renz in der Berufsschule.

Pausenhof statt Wurfbude, Hausaufgaben statt Raubtiernummer: Für einige Kinder aus Zirkusfamilien oder auch von Karussell-Besitzern ist gerade Pauken angesagt.

Sie besuchen jetzt im Winter vier Wochen lang einen besonderen Unterricht in der Stadt Nidda im Bundesland Hessen. Er ist extra für Jugendliche gedacht, die mit ihren Eltern sonst dauernd unterwegs sind. Zum Beispiel weil sie von einem Rummel zum nächsten ziehen.

Die Schüler müssen sonst immer dort zur Schule gehen, wo der Jahrmarkt gerade ist. Das heißt, sie sind oft etwa alle zwei Wochen woanders und können nicht richtig lernen. "Du kommst von einer Schule in die nächste und kommst nie mit. Die einen sind im Stoff schon weiter, die anderen liegen hinterher", erzählt die 16 Jahre alte Marylin Störtz.

Die Zeit im Winter ist für den besonderen Unterricht ideal. Viele Zirkusse und Jahrmärkte machen ohnehin Pause. "Im Sommer könnte ich mir das gar nicht erlauben", sagt der 18 Jahre alte Nicola Renz. Da muss er seinen Eltern bei ihrem Irrgarten helfen, den sie auf Jahrmärkten aufbauen.

Der Unterricht soll die Schüler auch fit für ihren späteren Beruf machen und ihnen helfen, einen richtigen Schulabschluss zu bekommen, erklärt der Lehrer Mathias Michl.

Weil die Jugendlichen oft den Job ihrer Eltern übernehmen, haben viele Fächer etwas mit der Arbeit im Zirkus oder auf dem Rummel zu tun. Und das gefällt den Schülern: "Mit den Sachen, die man hier lernt, kann man was anfangen", meint der 16 Jahre alte Philipp Gronén.

Solche Angebote wie in Nidda sind in Deutschland selten. Es gibt sie zum Beispiel noch in Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein.

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