Zeitreise zu Metall-Ungetümen: Das Ruhrgebiet

Der Förderturm der ehemaligen Zeche Zollverein in Essen.

Achtung, macht euch startklar zur Zeitreise: Der Ausflug führt in ein Reich, wo Metall-Ungetüme in der Landschaft stehen. Es sind Fördertürme von Kohlegruben und riesige Öfen, die Eisenerz schmelzen. Schornsteine ragen in den Himmel und pusten stinkenden Rauch in die Luft. Dazwischen wuseln massenweise Menschen. Viele schuften sich den Rücken krumm. Manche Männer haben schwarze Gesichter, denn sie waren unter der Erde.

Sie arbeiten als Bergleute in den Kohlegruben, die an vielen Stellen in den Boden getrieben wurden. So sah es früher aus im Ruhrgebiet - sagen wir vor 100 Jahren, oder auch vor 60 Jahren.

Der Name Ruhrgebiet kommt vom Fluss Ruhr, der von Osten nach Westen in den großen Strom Rhein fließt. In dem Gebiet liegen dicht an dicht viele große und kleine Städte: etwa Dortmund, Bottrop, Oberhausen, Essen und Duisburg. Mehr als 5 Millionen Leute leben heute dort - von den 82 Millionen bei uns in Deutschland.

Mehr über die Kulturhauptstadt: www.essen-fuer-das-ruhrgebiet.ruhr2010.de/home.html

Drei Fußballclubs der Bundesliga sind da zu Hause: Dortmund, Bochum und Schalke 04 aus Gelsenkirchen. Und manche Leute reden ein "bissken" eigen, sie sagen zum Beispiel "dat" statt das. Und "hömma" statt "Hör mal!".

Gerade wird viel über das Ruhrgebiet berichtet. Denn dort steigt in diesem Jahr ein europäisches Fest-Programm. Es heißt "Kulturhauptstadt 2010". Obwohl es dabei um Kultur geht - also etwa um Musik, Theater oder Museen - denken viele Erwachsene beim Wort Ruhrgebiet eher an Stahlwerke und Kohle.

Und das hat mit der Geschichte zu tun. In den Köpfen vieler gibt es nämlich noch Bilder wie bei einer Zeitreise - also wie vor 60 oder 100 Jahren.

Und was war da im Ruhrgebiet? Hunderte von Kohlebergwerken - Zechen genannt - prägten die Region im Zentrum Europas. Denn unter der Oberfläche lagerte ein Schatz der Natur: eine gigantische Menge Steinkohle. Im 19. Jahrhundert gewann Kohle als wichtige Quelle für Energie an Bedeutung.

Und die Menschen lernten, immer tiefer in die Erde vorzudringen, um den schwarzen Rohstoff hochzuholen - 1000 Meter und tiefer. Aus grünem Bauernland und Wäldern wurde eine Industrie- Region: mit schmutziger Luft, Abfällen - aber auch vielen Jobs.

Firmenbosse setzten Eisenhütten und Stahlwerke in die Nähe der Kohle-Zechen. Die Hitze, die man mit der Kohle erzeugen konnte, war gut zum Rausschmelzen des Eisens aus dem Eisen-Erz. Um aus dem Eisen dann Stahl zu produzieren, brauchten die Fabriken wiederum Kohleprodukte.

Um die Maschinen in all diesen Fabriken zu bauen, siedelten sich große Maschinenbau-Firmen an. Weil es so viel Arbeit gab, zogen immer mehr Menschen dorthin. Sie kamen aus anderen Teilen Deutschlands und aus Osteuropa, etwa aus Polen, und aus anderen Ländern wie der Türkei.

Vor etwa 50 Jahren ging dann die große Zeit der Kohle und des Bergbaus an der Ruhr langsam zu Ende. Erdöl und Kohle aus anderen Teilen der Erde waren billiger. Alte Industrie-Anlagen sind heute oft Museen und Denkmäler - etwa die Zeche "Zollverein" in Essen. Dort startete am Sonntag das Fest zur Kulturhauptstadt. Es sollte endgültig zeigen, dass die Kohle-Zeit fürs Ruhrgebiet Geschichte ist.

Kommentare