Wenn das Reisen zum Beruf wird

So macht der Beruf Spaß: Roland Streicher beim Surfen auf Korfu.

Die Busfahrt nähert sich ihrem Ende. Immer größer wird der helle Fleck am Ausgang des langen Tunnels. Dann fährt der Bus ins Sonnenlicht hinaus und gibt den Blick frei auf die Alpen.

Die Berge sind bedeckt mit Schnee und strahlen. Ein Raunen geht durch den Bus, einigen Leuten stehen Tränen in den Augen. Wunderschön finden sie die Landschaft. Und ein Mann begleitet sie: der Fremdenführer.

So beschreibt Roland Streicher von der Reise-Firma ReNatour den wohl bewegendsten Moment seiner Arbeit als Fremdenführer. Die Gäste im Bus, die er in die Berge seiner Heimat führte, stammten alle aus der ehemaligen DDR. So hieß der Staat, den es früher im Osten von Deutschland gab. Die Menschen dort durften jahrelang nicht frei in den Westen reisen. Als das vor rund 20 Jahren wieder möglich wurde, machten sich manche auf in ihren ersten Skiurlaub in die Alpen. Beim Anblick der grandiosen Gipfel waren sie gerührt.

Auf dieser Fahrt hat Roland Streicher das geschafft, wovon viele seiner Kollegen träumen: Er bescherte seinen Gästen unvergessliche Erlebnisse. Roland Streicher plant aber nicht nur Skiferien und Radtouren in die Alpen. Oft führt ihn sein Beruf auch weit weg von zu Hause, zum Beispiel auf die griechische Insel Korfu. Dorthin begleitet er ebenfalls Reisende, auch viele Familien und Kinder.

Für den Reiseleiter selbst kann so ein Trip anstrengend sein. Die Tage mit Gästen, die vom Frühstück bis zum Schlafengehen versorgt werden wollen, sind ganz schön lang. "Manchmal ist man das Mädchen für alles", erzählt Roland Streicher. "Schließlich will ich den Touristen möglichst jeden Wunsch erfüllen. Das ist in fernen Ländern manchmal gar nicht so einfach. Man muss ziemlich flexibel sein und sich mit vielen Themen auskennen."

Mittlerweile verbringt Roland Streicher allerdings die meiste Zeit in seiner Heimatstadt Nürnberg in Bayern. Dort besitzt der 45-Jährige sein eigenes Reisebüro. Mehrere Reiseleiter und Fremdenführer arbeiten für ihn. Das Büro organisiert zum Beispiel Urlaub in einem Dorf in Lappland ganz im Norden von Europa. Oder Wandern mit Eseln in Italien.

Obwohl es oft stressig ist: "Reiseleiter ist ein sehr schöner und vielfältiger Beruf. Da wird einem nie langweilig", findet Roland Streicher. "Ich lerne viele verschiedene Menschen kennen und kann ihnen eine Freude machen." Was für die meisten Menschen die schönste Zeit des Jahres ist - ihr Sommerurlaub oder die Winterferien - das ist für den Reiseleiter alltäglich. "Ich darf viele herrliche Gegenden besuchen, und das für viele Monate im Jahr!"

Übrigens: Am nächsten Sonntag ist "Weltgästeführertag". Da ist 'ne Menge los.

Beides spannend: Fremdenführer und Reiseleiter

Manche Leute zeigen anderen tolle Orte. Das ist ihr Beruf. Sie arbeiten in dem Geschäft mit Reisen und Urlaub. Manchmal führen sie Gäste zum Beispiel durch ihre Heimatstadt. Manchmal fahren sie mit ihnen aber auch weit weg.

Fremdenführer zeigen Besuchern meist eine bestimmte Stadt oder Gegend, in der sie sich besonders gut auskennen. Oft beherrschen sie mehrere Sprachen, um auch mit Gästen aus dem Ausland reden zu können. Oder sie bringen Einheimischen bisher unbekannte Seiten der eigenen Stadt näher: Sie erkunden mit ihnen verborgene Winkel - zum Beispiel das Kanalnetz unter der Stadt. Oder sie erzählen in einer Führung, wie die Stadt im Mittelalter aussah

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