Die wenigsten Indianer lebten wie Winnetou

Der Schauspieler Pierre Brice als stolzer Apachen-Häuptling "Winnetou": Nur wenige Indianerstämme lebten ein bisschen so, wie wir das aus Büchern oder Filmen kennen

Indianer haben Federn im Haar, tragen Kriegsbemalung und schwingen ihren Tomahawk oder eine andere Waffe. So stellen sich viele Menschen die Ureinwohner von Nordamerika vor. In Wirklichkeit sind die vielen Stämme jedoch sehr unterschiedlich.

Sie sprechen verschiedene Sprachen, kleiden sich verschieden und essen verschiedene Dinge. Eines haben sie aber gemeinsam: Ihre Vorfahren haben schon vor Tausenden von Jahren in Amerika gelebt, lange bevor Europäer den Kontinent eroberten.

Wann die ersten Menschen nach Amerika kamen, wissen Forscher nicht genau. Es könnte vor 13 000 Jahren oder schon viel früher gewesen sein. Wissenschaftler glauben, dass Jäger aus Asien in den Norden Amerikas zogen, ins heutige Alaska. Vielleicht folgten sie einer Herde von Mammuts. Während der letzten großen Eiszeit gab es zwischen den Kontinenten eine Landbrücke, über die sie gehen konnten. Heute hat sich dort das Meer ausgebreitet. Die Stelle heißt Bering-Straße.

Einige Einwanderer blieben im kalten Norden, andere wanderten weiter nach Süden. Sie ließen sich an der Küste, an Flüssen oder an Seen nieder. Manche zogen in die Berge, in die Wüste oder in den Wald. Und einigen gefiel es am besten auf den endlosen Wiesen der Prärie. Es entwickelten sich viele verschiedene Völker: Die Menschen in der Wüste lebten ganz anders als die Indianer in den Bergen oder am Meer.

Nur wenige Stämme lebten ein bisschen so, wie wir das aus Büchern oder Filmen kennen - zum Beispiel Sioux (gesprochen: Su) oder Komantschen. Sie waren Jäger und erlegten Bisons. Die Tiere zogen in riesigen Herden übers Land und die Indianer folgten ihnen. Viele Familien wohnten deshalb in Zelten, die sie schnell auf- und abbauen konnten. Die Sioux errichteten Tipis aus Holzstangen, um die sie Bisonhäute legten. So waren sie vor Wind, Kälte und Regen geschützt. Aus Adlerfedern, bunten Perlen, Stachelschweinborsten und Tierfellen fertigten Sioux-Indianer zum Beispiel prächtige Hauben. Diesen Schmuck trugen sie oft zu besonderen Anlässen.

Mehrere Tausend Jahre lang lebten die Indianer fast völlig ungestört. Doch vor etwa 500 Jahren landeten die ersten Europäer an der Ostküste Amerikas. Sie waren begeistert: So viel freies Land! Bald fingen sie an, den Kontinent zu erobern und die Ureinwohner zu verdrängen. Es dauerte nicht lange, bis die Weißen das Leben in Amerika bestimmten.

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