Der Weihnachtskaktus blüht genau zur rechten Zeit

Zum Advent zeigt er sich in seinen verschiedensten Farben: der Weihnachtskaktus.

Für viele Menschen gehört er genauso zum Advent wie Plätzchen oder Kerzen: der Weihnachtskaktus. Die Pflanze wird in den Wochen vor Weihnachten in der Regel zu einem richtigen Schmuckstück.

In seinem Namen steckt zwar Kaktus, aber er stammt nicht aus der Wüste. Er hat nicht einmal richtige Stacheln. Dafür scheint er genau zu wissen, wann Weihnachten ist. Denn zum Advent zeigt er sich von seiner schönsten Seite: der Weihnachtskaktus „Die Pflanze heißt so, weil sie meist pünktlich zur Weihnachtszeit ganz toll blüht“, erzählt Birgit Hester. Sie besitzt ein Blumengeschäft in Hamburg. Jetzt im Advent stehen in dem Laden eine Menge Weihnachtskakteen.

„Viele Kunden finden die Blüten jetzt so schön. Die gibt es in verschiedenen Farben, zum Beispiel in Pink, Rosa, Rot oder auch in Weiß“, sagt Birgit Hester. Aber die Pflanze putzt sich doch wohl nicht so heraus, weil sie ahnt, dass bald Weihnachten ist? Der Weihnachtskaktus blüht in der Regel ein Mal im Jahr. Zum Advent. Dass es wirklich zu dieser Zeit klappt, ist aber gar nicht so sicher. Es hängt davon ab, wie es in der Zeit rund zwei bis drei Monate vorher aussieht.

„Für die Blüte im Advent kommt es darauf an, wie kalt es Ende September und in den Wochen danach ist - und wie viel Zeit der Weihnachtskaktus dann im Licht verbringt. Da entscheidet er sich, ob er zu Weihnachten blühen will oder nicht“, sagt der Experte Stefan Rust vom Botanischen Garten in Hamburg. „Wenn es etwa zwischen 17 und 20 Grad Celsius warm sind, sollte die Pflanze nicht mehr als rund neun Stunden pro Tag Licht bekommen. In den Gewächshäusern, wo sie herangezogen werden, deckt man die Weihnachtskakteen deshalb abends mit einer schwarzen Folie zu“, sagt Rust.

Die Pflanzen müssen sozusagen ausreichend schlafen, wenn es mit der Blüte zu Weihnachten klappen soll. „Da darf dann aber auch kein Nachtwächter mit der Taschenlampe kommen. Da sind die Pflanzen ganz eigen“, erzählt der Fachmann. Weitere Regeln: Bei einer Temperatur zwischen etwa 10 und 15 Grad sind dem Weihnachtskaktus hell und dunkel egal. Und wenn es im Herbst wärmer ist als etwa 22 Grad, blüht der Weihnachtskaktus im Advent eher nicht, sagt Rust. Dass Temperatur und Licht so wichtig für ihn sind, hat viel damit zu tun, dass seine Vorfahren aus Südamerika stammen. Da herrschen andere Bedingungen als bei uns.

„Wenn man das alles weiß, kann man den Weihnachtskaktus eigentlich zu jeder Jahreszeit zum Blühen bringen. Man muss eben drei Monate vorher auf die richtige Temperatur achten und darauf, dass der Weihnachtskaktus dann genug Zeit im Dunkeln verbringt“, sagt Rust. Wenn zum Beispiel jemand im Juni Geburtstag hat und möchte, dass sein Weihnachtskaktus da blüht, kann man das so beeinflussen, erklärt er.

Der Weihnachtskaktus stammt aus dem Regenwald

Wer den Weihnachtskaktus beschreibt, kann schnell etwas falsch machen. Wenn man zum Beispiel von grünen Blättern spricht, hat man schwuppdiwupp den ersten Fehler gemacht.

Das Grüne an der Pflanze sind nämlich streng genommen keine Blätter, sondern es handelt sich um einen Stamm - wie bei einem Baum. „Darin kann der Weihnachtskaktus sehr gut Wasser speichern“, sagt der Experte Stefan Rust. Auch deshalb gilt der Weihnachtskaktus als ein Verwandter der stacheligen Kaktuspflanzen, die viele sonst kennen.

Viele Kakteen stammen ursprünglich aus der Wüste, also aus Gebieten, wo es nur selten regnet. Deshalb ist es wichtig, dass sie sich eine Art Wasservorrat anlegen. So ein Vorrat ist zwar auch wichtig für den Weihnachtskaktus - aber seine Vorfahren stammen aus einer ganz anderen Region, dem Regenwald in Brasilien in Südamerika. Dort ist es sehr feucht. „Aber die Vorfahren vom Weihnachtskaktus wohnten in den Astgabeln anderer Bäume. Dort kamen sie mit ihren Wurzeln nicht direkt an das Wasser im Boden heran“, erzählt Rust. „Die Pflanzen bekamen nur dann etwas zu trinken, wenn es regnete.“

Und noch etwas ist beim Weihnachtskaktus besonders: „Er hat an den Rändern kleine Puschel und die sind auch leicht piksig. Aber so richtig stachelig ist er nicht“, sagt Rust. „Das liegt auch daran, dass man die Stacheln im Laufe der Jahre immer weiter weggezüchtet hat“, erklärt der Pflanzen-Experte.

Außerdem hat der Weihnachtskaktus einen zweiten witzigen Namen, er klingt so ähnlich wie Schlumpf. Er heißt: Schlumbergera.

Die Pflanze wurde nach Frédéric Schlumberger benannt. Das war ein bekannter Kakteensammeler und Kakteenzüchter aus Frankreich, der vor mehr als 100 Jahren lebte.

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