Voudou: geheimnisvolle Religion mit Geistern

Ganz schön unheimlich! Diese Geister-Figuren gehörten mal einem Voudou-Priester.

Ein hübsches Kleid mit Pailletten, eine Kette und eine Kappe, die mit Perlen bestickt ist - eigentlich sieht sie aus wie eine ganz normale Puppe. Aber: Erzulie Freda ist viel mehr - denn sie ist ein weiblicher Geist. Genauer gesagt: ein Lwa (gesprochen: Loa). Dafür halten sie zumindest manche Leute. Lwa heißen die Geister des Voudou-Glaubens.

Die Religion gibt es zum Beispiel in Haiti und in manchen Ländern in Afrika. Haiti liegt auf einer Insel zwischen Nordamerika und Südamerika.

Einige Voudou-Figuren sind gerade auf Europa-Reise. Sie gehören einer Frau, die schon seit vielen Jahren in Haiti lebt. Und sie möchte, dass die Menschen mehr über Voudou erfahren. Denn die meisten denken bei Voudou nur an bösen Zauber.

Tatsächlich ist vieles im Voudou Haitis für uns nur schwer zu verstehen. Da gibt es zum Beispiel Feste, auf denen Gläubige zu wilden Trommelwirbeln tanzen. Und Geister, die ziemlich schlechte Laune bekommen, wenn man sie nicht richtig versorgt. Das glauben zumindest manche Menschen dort.

Etwa 400 Geister werden heutzutage im Voudou verehrt. Manche Haitianer sind überzeugt: Die Geister sind immer und überall. Und die Gläubigen denken, dass ihnen die Geister Rat geben können. Doch nur die Voudou-Priester und -Priesterinnen kennen alle Geister richtig. Auch deshalb gehen die Gläubigen bei einem Problem zu einem Priester oder einer Priesterinnen. Die entscheiden dann, welcher Geist helfen kann. Dabei gibt es viel zu beachten: Denn jeder Geist hat seine Vorlieben, sagen die Leute.

Und einige Geister bekommen ganz besondere Sachen. Die Menschen meinen, dann ist der Geist eher bereit zu helfen. Zum Beispiel Erzulie Freda: Sie bekommt stets ein teures Getränk. Kein Wunder: Erzulie Freda ist ja auch der Geist der Liebe, des Luxus und der Schönheit.

Voudou entstand aus vielen Religionen

Vieles am Voudou auf Haiti erinnert an Afrika. Und das hat seinen Grund: Zwar wurde Haiti vor langer Zeit von den Spaniern erobert und beherrscht. Aber viele Haitianer sind Nachfahren von Afrikanern. Denn die wurden früher als Sklaven nach Haiti verschleppt, wo sie für die spanischen Eroberer arbeiten mussten. Die Sklaven kamen aus ganz unterschiedlichen Gegenden Afrikas und brachten von dort ihre eigenen Rituale und Götter mit. Die Spanier zwangen sie zwar, den katholischen Glauben anzunehmen. Doch in ihrem Herzen blieben viele Afrikaner ihren Göttern treu. Mit der Zeit verschmolzen die unterschiedlichen Überzeugungen zu einem neuen Glauben - dem Voudou Haitis.

Voudou: Geister reisen durch Europa

Die Voudou-Figuren, die gerade in einem Museum in Berlin zu sehen sind, gehören Marianne Lehmann. Sie ist Schweizerin und lebt seit mehr als 50 Jahren in Haiti. Marianne Lehmann kaufte früher gern alte Möbel und Gegenstände. Deshalb war sie bei den Händlern in Haiti sehr bekannt. Eines Tages bot man ihr eine Voudou-Figur an. Sie zögerte, denn sie wusste, dass die Figuren für die Gläubigen heilig sind.

Aber Frau Lehmann war von der Statue aus Beton fasziniert und kaufte sie schließlich doch. Es war ein kleiner Geist mit drei Hörnern. Heute besitzt Frau Lehmann mehr als 3000 Geister-Figuren. Inzwischen sind die Figuren aber nicht mehr heilig. Denn sie wurden bei einer besonderen Feier wieder zu fast normalen Figuren.

Frau Lehmann sammelt nun Geld, um für die Figuren ein Museum in Haiti zu bauen. Auch deshalb touren die Geister - oder besser gesagt: die Geister-Figuren - zurzeit durch Europa.

Voudou: Knochen machen stark

Wusstest du, dass in manchen Voudou-Figuren menschliche Knochen stecken? Gruselig...? Nicht für die Anhänger des Voudou und anderer Naturreligionen. Viele von ihnen haben mit den Knochen gestorbener Menschen gar kein Problem. Im Gegenteil! Sie glauben, dass die Knochen zusätzlich Kraft verleihen können. Häufig werden Tote besonders verehrt. So ist das auch im Voudou auf Haiti. Manche Voudou-Priester haben sogar einen Totenschädel auf ihrem Schreibtisch stehen.

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