Viel Streit um neuen Bahnhof

So würde der Bahnhof in Stuttgart aussehen, wenn man ihn komplett umbauen würde.

„Stuttgart 21“ - so heißt ein Projekt, um das es schon lange Streit gibt. Immer wieder gehen auch Leute auf die Straße und demonstrieren, weil sie unter anderem keinen neuen Hauptbahnhof unter der Erde wollen.

Doch warum sind so viele Leute gegen den neuen Bahnhof? Und was sagen die Befürworter?

Wer DAFÜR ist, meint zum Beispiel:

- Der alte Bahnhof ist ein Kopfbahnhof. Das heißt, die Züge müssen in den Bahnhof reinfahren und dann wieder zurückfahren. Beim neuen Bahnhof können die Züge geradeaus weiterrollen. Das spart Zeit. Und Reisende müssen seltener umsteigen.

- Bislang sind die Zugstrecken bei Stuttgart nicht für moderne Schnellzüge geeignet, sie müssen langsam fahren. Mit dem neuen Bahnhof und neuen Gleisen gäbe es das Problem nicht mehr. Dann kämen Schnellzüge auf ihrem Weg durch Europa flinker vorwärts - zum Beispiel von Paris in Frankreich über Stuttgart nach Wien in Österreich.

- Die Stadt wird schöner. Denn dort wo heute Gleise liegen, ist dann Platz zum Beispiel für neue Parkflächen und Häuser.

- Große Teile des alten Bahnhofsgebäudes bleiben erhalten. Wer ihn gern mag, kann auch in Zukunft noch einiges davon sehen.

Wer DAGEGEN ist, sagt etwa:

- Die Kosten für den Bau steigen und steigen... Es ist sehr schwierig abzusehen, wie teuer die Sache am Ende wird. Und das Geld könnte gut für andere Dinge gebraucht werden. Zum Beispiel für Schulen oder soziale Projekte.

- Es wäre deutlich billiger, den alten Bahnhof umzubauen. Und dann wäre er trotzdem modern.

- In einem großen Park nahe des Bahnhofs werden alte Bäume gefällt. Das macht den Park zumindest teilweise kaputt. Außerdem werden Löcher in den Boden gemacht, damit Licht zum unterirdischen Bahnhof kommt. Das sieht nicht schön aus.

- Manche Teile des alten Bahnhofsgebäudes werden abgerissen. Das ist schade, weil der prächtige Bau schon lange zur Stadt gehört.

Was ist ein Schlichterspruch?

Die einen wollen ihn lieber über der Erde haben - die anderen finden: Der neue Bahnhof gehört unter die Erde. Darüber zoffen sich Leute in Stuttgart schon länger heftig.

Die Bauarbeiten für den neuen unterirdischen Bahnhof haben in der Stadt im Bundesland Baden-Württemberg schon begonnen.

Wegen des Streits wurde allerdings vor einiger Zeit beschlossen: Ein Schlichter muss her! Also jemand unabhängiges, der zwischen beiden Seiten vermittelt.

Diese Aufgabe bekam der Politiker Heiner Geißler. Wochenlang hörte er sich in mehreren Sitzungen die Argumente der Befürworter und der Gegner an. Am Dienstag ging nun die Schlichtung mit dem sogenannten Schlichterspruch zu Ende.

Und der 80-Jährige meinte: Das Bahnprojekt solle weitergebaut werden. Aber er könne das Projekt nur befürworten, wenn bestimmte Dinge verbessert werden.

Zum Beispiel müsse es in geplanten Tunneln mehr Zugänge für die Feuerwehr geben, damit sie sicherer sind. Und falls noch mehr Bäume gefällt werden müssen, sollten sie umgepflanzt werden.

Aber was ist überhaupt ein Schlichterspruch? „Ein Schlichterspruch ist eine Empfehlung an die beiden Streitparteien. Darin versucht der Schlichter ihnen aufzuzeigen, wie sie ihren Konflikt lösen können“, erklärt Thomas König. Er ist Politikwissenschaftler an einer Universität. „Denn das Ziel des Schlichters ist, dass die beiden Seiten sich auf einen Lösungsweg einigen.“

Schlichtersprüche können im Allgemeinen unterschiedlich aussehen: „In seinem Schlichterspruch kann der Schlichter ganz genaue Vorschläge machen“, erklärt Thomas König. Er kann aber auch sagen: Eine wirkliche Lösung ist zur Zeit gar nicht möglich. „Und dann kann er nur vage Vorschläge machen“, meint der Experte.

Und dass ein Schlichter mal gar keinen Vorschlag macht? Das hält der Fachmann für eher unwahrscheinlich. Schließlich sind die Streitparteien in der Zwickmühle und erwarten Hilfe von ihm.

Und was passiert nach dem Schlichterspruch? Vielleicht nichts - denn die beiden Seiten müssen sich nicht daran halten. „Der Schlichter ist kein rechtliches Instrument.“ Aber oft ist es so, dass die Konfliktparteien die Vorschläge annehmen. Mal schauen, wie es nun in Stuttgart weitergeht...

Für den Schlichter ist seine Aufgabe übrigens zu Ende, nachdem er den Schlichterspruch verkündet hat. Ob und wie die Streithähne seinen Rat umsetzen, darum kümmert er sich nicht mehr.

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