Ulla Lohmann: Fotos machen, forschen, reisen

Ob verschneiter Berg oder heißer Dschungel: Ulla Lohmann kommt überall zurecht. Foto: Basti Hofmann

Ihre erste Kamera bekam Ulla Lohmann, als sie acht Jahre alt war. Eine alte von ihrem Opa. Die 33-Jährige sagt, dass sie von ihren Eltern die Lust auf Neues und Forschergeist geerbt hat. Beide waren Sportlehrer. In den Ferien gondelten sie wochenlang mit dem Wohnmobil durch die Gegend.

Ulla zog als Kind einen kleinen Vogel auf und führte jahrelang Tagebuch darüber, wie er sich entwickelte. Und sie nahm an Wettbewerben teil wie "Jugend forscht" - und gewann. "Dafür habe ich das Skelett eines Lurchs gezeichnet und nachgebaut, der vor 280 Millionen Jahren gelebt hat."

Ulla hat schon früh mit Sport angefangen und ist ziemlich fit. "Das muss ich auf meinen Reisen auch sein, oft wandere ich ja tagelang am Stück." Sie klettert in den Bergen, fährt Snowboard und Ski und taucht gerne.

Mit 18 Jahren hat sie ihre erste Weltreise unternommen. Die ging unter anderem nach Asien und Australien. Für eine Zeitung zu Hause schrieb sie Berichte über ihre Reise und schickte Fotos mit. Das war der erste Schritt, nicht mehr nur aus Spaß Fotos zu machen, sondern dafür auch Geld zu bekommen.

Die Fotografin war in vielen Ländern der Welt unterwegs. Einmal ist sie ein halbes Jahr lang mit einem Team durch ganz Afrika gefahren, in Oldtimern. Das sind alte Autos, die heute nicht mehr hergestellt werden. Die Tour ging durch trockene, heiße Wüsten ohne Wasser oder durch üppige, feuchte Wälder.

Etwa die Hälfte des Jahres ist Ulla unterwegs, den Rest verbringt sie in Deutschland - und plant die nächsten Abenteuer.

 

Geburtstag auf dem Vulkan

Die Fotografin Ulla Lohmann liebt Vulkane sehr, vor allem wenn sie aktiv sind. Wenn sie also jederzeit Gase, Asche oder Lava ausspucken können. Lava ist sehr heißes, flüssiges Gestein, das aus dem Inneren der Erde kommt. Ein Lavastrom ist viele Male so heiß wie kochendes Wasser.

Mindestens 15 aktive Vulkane hat Ulla Lohmann schon besucht und von ihnen Fotos gemacht. Sie klettert dann auf die Vulkane hoch und schaut in die Seen mit brodelnder Lava hinunter. "Das ist immer ein unwahrscheinlich lautes Tösen, und es ist sehr heiß dort. Es ist, als würde man ins Innere der Erde schauen." Angst hat sie kaum. Bevor sie sich Vulkanen nähert, informiert sie sich bei Fachleuten, wie groß die Gefahr ist, dass sie bald ausbrechen.

Sogar ihren 30. Geburtstag hat sie vor einigen Jahren auf einem Vulkan verbracht. Das war in der Demokratischen Republik Kongo, einem Land in der Mitte von Afrika. Der Vulkan heißt Nyiragongo und spuckt regelmäßig Feuer.

"Das war die größte Geburtstagskerze der Welt", sagt Ulla Lohmann. Sie war damals gerade in Afrika unterwegs und traurig, dass sie ihren Geburtstag nicht mit ihren Freunden in Deutschland feiern konnte. "Da hat mich der Besuch auf dem Vulkan sehr getröstet." (dpa)

 

Ulla Lohmann: Mit Kamera in den Dschungel

Ulla Lohmann schlägt sich mit einem Messer den Weg frei. Sie ist alleine unterwegs im Dschungel von Papua-Neuguinea. Das ist ein Inselstaat in Asien. Es ist heiß, Vögel machen Lärm, sie gibt Acht auf Schlangen oder Skorpione.

Nachts schläft sie in einem Zelt. Außer diesem Zelt hat sie einen etwa 20 Kilo schweren Rucksack dabei. Darin ist unter anderem ihre Fotoausrüstung. 20 Kilo - das ist so schwer wie 20 Tüten Zucker.

Die Studentin will Fotografin werden und ist auf dem Weg zu einem einheimischen Stamm, der abgelegen in einem Bergdorf wohnt. Sie möchte Fotos machen und die Geschichte des Stammes Anga zu Hause bekannt machen. Die Menschen dort bewahren angeblich ihre Toten als Mumien auf. Per Telefon kann man das Dorf Koke nicht erreichen. Die Menschen im Regenwald geben ihr Ratschläge, wie sie es finden kann. Eines Tages ist es so weit - sie hat den Stamm gefunden!

Doch als sie im Dorf ankommt, ist alles nicht so einfach, wie sie sich das vorgestellt hat: "Die Menschen waren erst einmal gar nicht begeistert und sehr ablehnend. Sie wollten auch gleich Geld von mir", erzählt Ulla Lohmann. Nach kurzer Zeit geht sie deshalb zu ihrem Zelt zurück. Das liegt drei Stunden Fußmarsch entfernt. Und am nächsten Tag wieder hin. "Das habe ich einige Tage wiederholt, und versucht, ihr Vertrauen zu bekommen. Ich habe auch Geschenke wie Reis, Dosenfisch und Zucker mitgebracht." Mit Händen und Füßen verständigt sie sich, außerdem spricht ein Mann des Dorfes Englisch.

Nach einigen Tagen hat sie es geschafft. Ulla Lohmann darf Bilder von dem Dorf und den Menschen machen. Sie hat sie überzeugt, dass es einen Wert hat, ihre Geschichte zu erzählen. Und sie muss kein Geld dafür bezahlen. Die Leute leben in einfachen Hütten. Sie haben dunkle Haut. Manche tragen Röcke aus Pflanzenfasern oder Lederschurze. Andere haben T-Shirts und kurze Hosen an.

Und tatsächlich gibt es auch die Mumien. "Die Menschen glauben, dass die Toten die Lebenden bewachen. Sie sitzen seit vielen, vielen Jahren auf Felsvorsprüngen in den Bergen über dem Dorf." Nach altem Brauch wurden früher für die Toten spezielle Räucherhäuser gebaut. Dort wurden sie für zwei Monate über dem Feuer getrocknet. Danach wurden sie an ihren Platz auf den Felsen gebracht.

Der erste Besuch von Ulla Lohmann in Koke ist nun mehr als sieben Jahre her. Inzwischen ist die 33-Jährige bekannt für diese Fotos, und verdient als Fotografin ihr Geld.

In Koke hat sich das Leben seither etwas verändert. Manchmal kommen Journalisten oder Fernsehteams vorbei und manche Dörfler haben nun Handys. Es gibt Uneinigkeit im Dorf darüber, ob und wie viel Geld die Menschen mit der Geschichte der Mumien verdienen sollen. Ob sie zum Beispiel Geld dafür verlangen können, dass Fotos gemacht werden. Ulla Lohmann fährt auf jeden Fall zwei bis drei Mal im Jahr dorthin zurück. Die Menschen in Koke sind ihr ans Herz gewachsen. (dpa)

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