Turnerin Jana fährt zu Jugend-Olympia

Wer Jana beim Aufwärmen zusieht, dem bleibt die Spucke weg: Einen Spagat als erste Übung? Und als nächstes die Beine über den Kopf und nach vorne auf den Boden? Das gibt es doch nur im Zirkus oder in anderen Shows mit Akrobaten!

Oder in Schmiden bei Stuttgart in Baden-Württemberg. Dort lebt und trainiert Jana Berezko-Marggrander. Sie macht Rhythmische Sportgymnastik. Sie ist erst 14 Jahre alt und die jüngste deutsche Athletin bei den Olympischen Jugendspielen in Singapur, einem kleinen Inselstaat in Asien. Die Spiele steigen vom 14. bis 26. August - zum ersten Mal überhaupt.

Bei der Rhythmischen Sportgymnastik bewegt man sich zur Musik, erklärt Jana. Dabei macht man Übungen, etwa einen Spagat, eine Rolle vorwärts oder Sprünge. Alles fest nach Plan, nach der sogenannten Choreografie.

Noch dazu müssen die Turnerinnen während ihrer Auftritte fünf Dinge ständig bewegen - etwa hochwerfen. Jana muss das Seil, die Keule, den Reifen, den Ball und das Band beherrschen. "Alle sind schwer, bei jedem Gerät muss ich auf etwas anderes achten", sagt sie.

Um die Kontrolle über die Gegenstände nicht zu verlieren, müssen die Sportler sehr viel trainieren. Die 14-Jährige lebt deshalb in einem Internat zusammen mit anderen Turnerinnen. So bleibt neben der Schule - Jana besucht die siebte Klasse im Gymnasium - noch Zeit, um täglich mehrere Stunden in der Halle sein zu können.

Das ist ziemlich anstrengend: "Mir fehlt meine Familie, ich kann nur an Wochenenden ohne Wettkampf nach Hause fahren", erzählt das Mädchen mit den dunklen Haaren. Jana kam mit elf Jahren aus Russland nach Deutschland. Ihre Eltern wohnen seitdem in der Nähe von Karlsruhe. Mit dem Zug ist sie dorthin etwa eine Stunde unterwegs.

Auch wenn Jana auf vieles verzichten muss und nur wenig Freizeit hat - sie mag ihren Sport: "Das ist meine Zukunft." Im Frühjahr hat sie bei der Europameisterschaft dreimal Bronze gewonnen und sich für die Jugendspiele qualifiziert. Seitdem bereitet sie sich ernsthaft auf Singapur vor. Sie hat sich vorgenommen: "Ich will einen guten Wettkampf turnen." Und ein Andenken an Singapur und Olympia kaufen - das will sie auch.

Boxen bis Tennis: Sportarten bei den Jugendspielen

Die Athleten bei den Olympischen Jugendspielen sollen einen Eindruck bekommen, wie es bei den richtigen Olympischen Spielen zugeht. Deshalb stehen für die 14- bis 18-Jährigen die Sportarten an, die auch zum Programm der Erwachsenen gehören.

In 26 Sportarten gibt es Wettkämpfe. Das sind sie: Fußball, Handball, Volleyball, Bogenschießen, Fechten, Leichtathletik, Badminton, Basketball, Boxen, Radsport, Wassersport, Kanu, Taekwondo, Springreiten, Turnen, Hockey, Judo, Moderner Fünfkampf, Rudern, Segeln, Sportschießen, Tennis, Tischtennis, Gewichtheben, Triathlon und Ringen.

Manche Regeln sind aber bei den Jugendspielen etwas anders als bei den richtigen Olympischen Spielen. Zum Beispiel bringen die Reiter nicht ihre eigenen Pferde mit nach Singapur, sondern sie bekommen dort welche. Damit soll Geld gespart werden, denn der Transport von Pferden ist teuer.

Was ist eigentlich Rhythmische Sportgymnastik?

Rhythmische Sportgymnastik hat ein bisschen was von Ballett. Die Sportlerinnen machen zum Beispiel Spagat. Sie springen aber auch oder drehen sich. Und dazu kommt noch ein Gegenstand, den die Turnerinnen elegant bewegen müssen. Sie turnen nämlich entweder mit einem Ball, einem Reifen, einem Seil, einem Band oder mit Keulen.

Die Turnerin wirft zum Beispiel den Ball in die Luft, während sie eine Rolle vorwärts macht. Sie fängt ihn dann mit den Händen wieder auf. Oder mit den Füßen. Oder mit dem Kopf. Oder mit den Schultern.... Und die geturnten Figuren müssen zur Musik passen.

Die Gymnastinnen turnen auf einer Fläche, die 13 mal 13 Meter groß ist. Eine Seite der Fläche ist damit etwa so lang wie mancher Bus. Am Rand sitzen Menschen, die beurteilen, wie gut die Übungen waren. Sie vergeben Punkte.

Die Kampfrichter achten darauf: Wie schwierig sind die Gymnastik-Figuren? Wie gut passt alles zusammen - etwa Musik, Kostüm und Übungen? Und wie gut ist die Sportlerin, macht sie keine Fehler?

Bei uns betreiben nur Mädchen oder Frauen Rhythmische Sportgymnastik. Viele fangen schon sehr, sehr früh an zu trainieren - etwa im Alter von vier oder fünf Jahren. Die Gymnastinnen sind meistens sehr schmal. Manche Leute bemängeln, dass sie zu dünn seien.

Wichtig bei der Rhythmischen Sportgymnastik sei vor allem, dass man eisern ist, erklärt eine Trainerin: "Nur wer hart trainiert und wirklich will, wird in dieser Sportart richtig gut."

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