Toleranz: Jeder soll sein dürfen, wie er will

Jeder sollte sein dürfen, wie er will, finden Luc Sedric und Anne-Kathrin.

Eine Frisur, die anders ist, Klamotten, die nicht jeder mag, besonders gute oder schlechte Noten - es gibt viele Gründe, warum manche Kinder gehänselt werden. Wenn die anderen wochenlang und länger herumpöbeln, spricht man von Mobbing.

"Solche Situationen gibt es bei uns an der Schule auch", erzählt der 14 Jahre alte Luc Sedric.

Ein Junge wurde zum Beispiel wegen seines Aussehens gehänselt. Und weil er in der Pause mit Jüngeren zusammen war. "Als er sogar geschlagen werden sollte, haben wir das einer Lehrerin gesagt." Inzwischen, so erzählt Luc weiter, habe das aufgehört. Der Junge habe sich die Haare anders geschnitten und ziehe sich anders an. Doch Luc meint: "Eigentlich ist das der falsche Weg. Eigentlich sollte er so bleiben können, wie er ist, und die anderen sollten das lassen."

Anne-Kathrin ist 16 und hat ein ähnliches Erlebnis gehabt, aber hier zeigten die Menschen am Ende mehr Toleranz. Sie ließen also andere Meinungen eher zu. Anne-Kathrin kannte ein Mädchen, das anders war als die anderen. "Sie hat keinen Alkohol getrunken und wollte noch keinen Freund haben. Außerdem hat sie am Wochenende immer etwas mit ihrer Familie gemacht." Einige andere hätten das blöd gefunden und das auch gezeigt.

Damit das aufhörte, mussten viele Leute helfen. Schüler, Eltern und Lehrer haben offen miteinander gesprochen. Nach und nach haben beide Seiten einander so akzeptiert, wie sie sind: das Mädchen die anderen und die anderen das Mädchen. "Tolerant werden, das kann lange dauern. Man muss sich unterhalten und überlegen, was man selbst ändern kann", meint Anne-Kathrin.

Toleranz muss man lernen und fühlen

Andere einfach so nehmen, wie sie eben sind. Das heißt, tolerant zu sein. Doch das ist manchmal nicht so einfach. Michaela Wiese kennt sich damit aus. Sie erklärt, wie man das lernt - aber auch wie weit Toleranz gehen darf.

Manchmal findet man andere einfach doof. Kann man lernen, tolerant zu sein?

Michaela Wiese: "Ja, das kann man lernen. Du musst versuchen, dich in den anderen hineinzuversetzen und zu verstehen, warum er etwas tut oder warum er anders aussieht. Dazu gehört besonders, dass man einem anderen zuhört, ohne sofort seine eigene Meinung zu sagen."

Hat Toleranz Grenzen?

Michaela Wiese: "Ja. Grenzen sind dort, wo jemand zu Schaden kommt. Wenn ein Schüler einem anderen regelmäßig Geld klaut, kannst du nicht sagen: "Der ist eben ein Dieb, ich akzeptiere das." Zu Schaden kommt jemand auch, wenn er als Mensch verletzt wird, körperlich oder seelisch. Man muss also nicht tolerant sein, wenn ein Kind über ein anderes Witze macht, weil es abstehende Ohren hat. Für das Kind mit den abstehenden Ohren ist das schlimm. Da darf man nicht tolerant sein, da muss man helfen."

Hat Toleranz was mit Gefühl zu tun?

Michaela Wiese: "Wenn du es schaffst, dich in die Lage eines anderen hineinzuversetzen, dann hat das etwas mit nachdenken und fühlen zu tun. Stell dir vor, ein Mädchen aus dem Ausland kommt neu in deine Klasse. Sie liest nicht gut Deutsch. Überleg dir, wie du dich fühlen würdest, wenn du in einem fremden Land in die Schule gehen müsstest. Wenn du schaffst zu spüren, wie es dem anderen geht, dann hast du sowohl nachgedacht als auch mitgefühlt."

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