Superteleskop erspäht tolle Dinge im All

Die Illustration eines Künstlers zeigt das Weltraumteleskop "Herschel" bei der Arbeit.

Die Sterne am Himmel sind nur ein winziger Teil des Universums. Mit einem besonderen Riesenteleskop können Astronomen viel tiefer ins All schauen als wir mit unseren Augen. Dieses Teleskop heißt "Herschel". Es funkt seit mehr als einem Jahr geniale Bilder zur Erde.

Das Geheimnis steckt im Licht: Das Weltraumteleskop "Herschel" kann Lichtstrahlen sehen, die für uns unsichtbar sind - sogenannte Infrarotstrahlen. Das Teleskop hat einen riesigen Spiegel, mit dem es sogar diese Strahlen auffangen kann. Und so erspäht es Dinge, die kein sichtbares Licht aussenden - und deshalb für uns unsichtbar sind: zum Beispiel Staub- und Gaswolken.

Diese Wolken sind total spannend, weil sie oft das Baumaterial für neue Sterne liefern. Sie verraten also etwas darüber, wie Sterne und Galaxien entstanden sind.

Manche Beobachtungen, die "Herschel" im letzten Jahr gemacht hat, bringen Forscher ganz aus dem Häuschen. Das Weltraum-Auge hat zum Beispiel ein gigantisches Loch im Himmel erspäht - also eine Region, die völlig leer ist. Das Loch hielten viele Experten bisher für eine dunkle Staubwolke, die alles sichtbare Licht schluckt. Die Staubwolke hätte "Herschel" jedoch gesehen. An dieser Stelle im All entdeckte das Teleskop jedoch - gar nichts!

Das Loch klafft mitten in einem hellen Nebel und ist etwa zehntausend Mal so groß wie der Abstand der Erde zur Sonne. Die Astronomen rätseln nun, wie es entstanden sein könnte. Möglicherweise hat ein junger Stern das Loch in den Nebel geblasen.

"Herschel" entdeckte in einem Sternbild auch zahlreiche Orte, an denen sich gerade neue Sterne bilden. So etwas konnte noch niemand sehen. Außerdem fand das Superauge auf dem Planeten Neptun wohl die Spuren eines Kometen, der vor rund 200 Jahren dort eingeschlagen sein muss. Nun sind die Forscher gespannt, was "Herschel" noch so alles erspäht.

"Herschel", das fliegende Teleskop

"Herschel" funktioniert ein bisschen wie ein fliegendes Fernrohr. Es ist das größte Weltraumteleskop, das jemals gebaut wurde. Sein Spiegel ist von einem Ende zum anderen mehr als drei Meter breit. Die gesamte Beobachtungsstation ist mehr als sieben Meter hoch und vier Meter breit. So groß sind manche Segelboote.

"Herschel" hat drei supermoderne Instrumente an Bord: zwei Kameras - und ein Spektrometer. Damit kann man Strahlen aus dem All untersuchen.

Die Europäische Raumfahrtagentur ESA hat das Teleskop letztes Jahr im Mai ins All geschickt. Es kreist auf einem besonderen Beobachtungsposten, der irre weit von der Erde entfernt ist: mehr als eine Million Kilometer.

Nach ein paar Jahren macht Herschel schlapp

Wusstest du, dass das Weltraumteleskop "Herschel" schon in ein paar Jahren den Geist aufgibt? Das liegt daran, dass die Instrumente an Bord tiefgekühlt werden müssen, damit sie richtig arbeiten. Denn die Geräte sollen auch ganz schwache Wärmestrahlen aus dem All messen. Und da würde sie die eigene Wärme durcheinanderbringen.

Deshalb wurde "Herschel" mit mehr als 2000 Liter flüssigem Helium beladen. Damit kann das Teleskop gekühlt werden. Und zwar auf weniger als minus 270 Grad!

Allerdings wird die Kühlflüssigkeit irgendwann aufgebraucht sein. Und dann ist für das Teleskop Schluss. Es erwärmt sich und funktioniert nicht mehr. Forscher schätzen, dass das spätestens vier Jahre nach dem Start passieren wird. Es bleiben also noch etwa drei Jahre übrig...

Wer war Friedrich Wilhelm Herschel?

"Herschel" - ein komischer Name für ein Teleskop? Eigentlich gar nicht. Denn er erinnert an den deutschen Sternenforscher Friedrich Wilhelm Herschel. Der wurde vor etwa 270 Jahren in Hannover im heutigen Niedersachsen geboren. Sein Vater war Musiker, und auch Friedrich Wilhelm spielte in einer Band.

Später zog er als Musiklehrer nach England. Dort beschäftigte er sich allerdings immer öfter mit dem Weltraum. Er begann, seine eigenen Teleskope zu basteln. Herschel goss und polierte seine Spiegel sogar höchstpersönlich, und seine Teleskope wurden immer besser und größer.

Gemeinsam mit seinen Geschwistern beobachtete der Forscher viele Jahre lang den Himmel. Dabei entdeckte er Sachen, die noch niemand vor ihm beobachtet hatte: den Planeten Uranus zum Beispiel und viele Nebel, Sterne und Monde.

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