Stefan: UN-Politiker auf Zeit

Stefan Nippes wirkt schon ziemlich echt als Politiker.

Stefan Nippes trägt einen dunklen Anzug und Krawatte. Konzentriert blättert er durch seine Unterlagen. Auf einem kleinen Zettel macht er sich Notizen. Er will später alles richtig sagen. Denn er möchte andere von seiner Meinung überzeugen. Stefan ist Politiker - allerdings nur für ein paar Tage.

Im normalen Leben geht der 17-Jährige noch zur Schule, auf ein Gymnasium in Walsrode in Niedersachsen. Zurzeit besucht Stefan aber eine Konferenz in Oldenburg in Niedersachsen. Zu der sind fast 650 Schüler aus Europa, Kanada, den USA, Südamerika und Indien gekommen. Bis Donnerstag spielen die 14- bis 21-Jährigen Politiker der Vereinten Nationen.

In den Vereinten Nationen - kurz UN - haben sich fast alle Länder der Welt zusammengetan. Gemeinsam versuchen sie, wichtige Probleme zu lösen, die alle Menschen auf der Erde betreffen. Dazu gehören zum Beispiel Armut, Kriege oder der Klimawandel. Sitz der UN ist New York in den USA.

Bei der Konferenz in Oldenburg ist vieles so wie bei den echten Vereinten Nationen in New York. Alle müssen auf Englisch reden - was nicht alle gut können. Darüber lacht aber keiner. "Wenn mal jemand was Falsches sagt, stört das niemanden", erzählt Marie Kirchner. Sie ist 17 Jahre alt und hat gemeinsam mit anderen Schülern die Konferenz organisiert.

In der großen Versammlungshalle stehen viele Tische mit den Fahnen von fast 140 Ländern. Stefan sitzt neben der Flagge von Belgien. Er soll während der Konferenz das europäische Land vertreten. Und zwar so, als würde dort wirklich ein belgischer Politiker sitzen. Monatelang hat er deshalb belgische Geschichte, Politik und Kultur gepaukt. "Ich habe viel recherchiert. Aber eigentlich weiß ich mehr über Politik an sich als über Belgien."

Das ist aber nicht schlimm. Das findet auch Mitrache Matei Alexandru aus Rumänien. "Es ist nicht so wichtig, alles über ein Land zu wissen. Wir wollen Spaß haben und Leute aus anderen Ländern kennenlernen", sagt der 16-Jährige. Das können sie nach den politischen Debatten: bei einem Fußballturnier, einem Grillfest und einer Party. Beim letzten Mal hat Marie so Freunde in Tschechien gefunden. Die will sie im Sommer in der Hauptstadt Prag besuchen.

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