Spielplatz früher: Mit Holzschwert aufs Karussell

Wie sahen wohl besonders tolle Spielplätze vor etwa hundert Jahren aus? Thomas Aydt ist dafür ein Experte. Der 64-Jährige hat sich darum gekümmert, dass ein so alter Spielplatz im Schlosspark in Ludwigsburg in Baden-Württemberg nachgebaut wird.

Dafür hat sich sein Team alte Zeichnungen angeschaut. Jetzt kann man auf dem Spielplatz so ähnlich spielen wie damals die adeligen Schlossbewohner. Thomas Aydt erklärt, wie Karussells früher aussahen. Darauf drehten übrigens nicht nur Kinder ihre Runden, sondern auch Erwachsene.

Welche Spielgeräte gab es früher auf dem Spielplatz am Schloss?

Thomas Aydt: "Das Karussell zum Beispiel. Es stammt aus der Ritterzeit. Damals betrieb man die Karussells noch mit hölzernen, lebensgroße Pferden, die sogar richtig gesattelt waren. Für die Hofdamen gab es zusätzlich Kutschen und Schwäne."

Und wie haben die Karussells funktioniert?

Thomas Aydt: "Vor hundert Jahren wurden einige Karussells am Hofe noch unterirdisch von Strafgefangenen angetrieben. In einem kreisrunden Keller unter dem Karussell liefen Gefangene im Kreis herum und drehten dabei ein hölzernes Zahnrad. Erst dadurch hat sich das Karussell gedreht."

Was war sonst noch anders?

Thomas Aydt: "Auf den Karussells saß man früher nicht nur drauf - sondern hatte Holzschwerter in der Hand, mit denen man auf hölzerne Klappen an den Säulen des Karussells schlug. Traf man, setzte sich eine Mechanik in Gang. Dann sprang zum Beispiel ein Holzkuckuck aus einer Kiste. Zum Teil gab es an den Säulen auch Käfige mit lebenden Vögeln drin, die man mit dem Holzstab befreien konnte."

Gab es auf den Spielplätzen auch Rutschen?

Thomas Aydt: "Eine Rutsche ist von den höfischen Spielplätzen nicht bekannt. Die Kleider der Hofdamen waren sehr teuer. Damit rutschte man nicht so gerne. Die Wippe war dagegen sehr beliebt, die sieht heute noch genauso aus. Wir haben auch ein Spielgerät entdeckt, das ich bisher nur noch einmal in Italien wieder gesehen habe. Eine Gondel. Hier sitzt man sich gegenüber, zieht an einem Seil und kann sich dadurch gegenseitig hochschaukeln."

Spielplatz nur für Adelige

Auf dem Spielplatz im Schlosspark herumtollen, das durften lange nur adelige Leute, zum Beispiel Prinzessinnen, Prinzen oder die Kinder von Herzögen. Erst später durften auch einige Bürger, also etwa wichtige Kaufleute aus der Stadt, die Schlossparks betreten, erklärt Experte Thomas Aydt. "Später nahm das einfache Volk die höfischen Spielanlagen dann sogar als Vorbild für eigene Spielplätze in der Stadt", erklärt der Fachmann.

Erwachsene flirteten auf Spielplätzen 

Spielplätze sind für Kinder da. Aber nicht immer und nicht nur. Ein Fachmann erklärt, dass vor etwa hundert Jahren der Spielplatz am Schloss in Ludwigsburg in Baden-Württemberg eigentlich eher für Erwachsene gedacht war.

"Es gab ja noch keinen Fernseher", sagt Thomas Aydt. Deswegen seien Erwachsene in den Park gegangen, um sich zu vergnügen. Früher sei es auf den Spielplätzen, die etwa zu einem Palast oder Schloss gehörten, vor allem ums Flirten gegangen, sagt der Fachmann. "Man schuf Plätze, an denen hohe Hecken standen, hinter denen die Hofdamen sich mit den Herren zum Flirten zurückziehen konnten."

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