Die 18-jährige Julia aus Göttingen berät Kinder und Jugendliche – Kostenlos und anonym

Sorgen? Hilfe gibt’s per Telefon

Nummer gegen Kummer: Am Kinder- und Jugendtelefon bekommen Mädchen und Jungen Beratung von Gleichaltrigen. Foto: dpa

Manuel wird gemobbt, von seinen Klassenkameraden, die bei SchülerVZ in der „Wir-hassen-Manuel-Gruppe“ über ihn herziehen. Seinen Eltern und Lehrern will er nichts davon erzählen. Also greift er zum Telefon und wählt 0180/1 11 03 33, die Nummer gegen Kummer.

Eine, an die der verzweifelte Junge geraten könnte, ist Julia. Die 18-jährige Göttingerin arbeitet ehrenamtlich für das Kinder- und Jugendtelefon. Sie berät Gleichaltrige, gibt ihnen Ratschläge oder hört sich einfach nur die Probleme an. „Den meisten hilft es schon, wenn sie mit jemandem sprechen können, der so alt ist wie sie“, sagt Julia.

Jeder kann sich melden, denn die Beratung ist anonym und kostenlos. 94 Büros gibt es von der Nummer gegen Kummer in ganz Deutschland. Für Anrufer aus Südniedersachsen und teilweise Nordhessen ist die Zweigstelle in Göttingen zuständig. Im vergangenen Jahr gingen bei dem Kinder- und Jugendtelefon 15 000 Anrufe ein, erzählt die Vorsitzende Gisela Wetzel-Willert.

Zwar gibt es viele erwachsene Telefonberater. Es sind aber vor allem die 25 meist am Samstag ehrenamtlich arbeitenden Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren, die Tipps geben in Sachen Liebeskummer und bei Streitigkeiten in der Clique helfen.

„Ich versuche genau hinzuhören und frage nach, wie sich die Kinder fühlen“, erklärt Julia, die jeweils für ein paar Stunden im Monat am Telefon sitzt. Auch wenn ab und an Scherzanrufer in der Leitung sind, nehme sie jeden ernst. „Meistens steckt doch mehr dahinter“, sagt sie.

Seit einiger Zeit berät das Kinder- und Jugendtelefon auch bei Internetsorgen. Wer sich im Netz verliebt, in Chats von ältereren Männern belästigt wird oder ungewollt ein Abo im Internet abgeschlossen hat, kann die Nummer gegen Kummer wählen.

Schließlich kennen sich Julia und ihre jungen Kollegen viel besser als die Erwachsenen mit den neuen Medien aus und können schneller helfen. Dafür haben sie extra eine professionelle Schulung bekommen. Regelmäßig gibt es außerdem Teambesprechungen und Fortbildungen.

So manche Geschichte geht auch Julia nahe. Die Erfahrung möchte sie aber nicht missen. Schließlich hat die Gymnasiastin vor, nach dem Abitur zu studieren. „Am liebsten Psychologie“, erzählt sie.

Wer gerne telefoniert und anderen helfen möchte, kann sich an die Geschäftsstelle in Göttingen wenden: Tel. 0551/37 98 77.

Von Stefan Morisse

Kommentare