Hersteller von Computerspielen nehmen Milliarden mit fiktiver Ware ein – Aufpassen beim Einkauf

Shoppen für den virtuellen Spaß

Kaufrausch: Computerspieler geben immer mehr Geld für virtuelle Güter aus. Foto: dpa

Es hat einen blau schimmernden Pferdekörper, eine purpur-goldene Kopf- und Brustpanzerung und kräftige Flügel: das Himmelsross Celestial Steed aus dem Computer-Rollenspiel World of Warcraft. 20 Euro verlangt Hersteller Blizzard für den Pixelspaß.

20 Euro? Für ein Geschöpf, das nicht real ist, sondern nur am Bildschirm existiert? Gut angelegtes Geld, finden knapp 150 000 Spieler, die nun auf dem Tier durch die Fantasywelt fliegen. Zur Freude von Blizzard. 2,8 Millionen Euro hat das Unternehmen in die Kasse gespült bekommen. Davon könntest du etwa 280 000 Bücher kaufen.

Das Geschäft mit virtuellen Gütern boomt. Für die Hersteller eine gute Einnahmequelle. Denn die Gewinne aus dem Verkauf der Spiele auf DVD-Datenträgern sehen nicht mehr so gut aus. Daher versuchen die Hersteller, die Kunden so lange wie möglich bei Laune zu halten und zur Kasse zu bitten.

Früher geschah das über Erweiterungssets, die neue Level, Spielwelten und Gegenstände versprachen. Seit einigen Jahren verschiebt sich der Schwerpunkt auf den Verkauf einzelner Spielereien, die oft online zu erwerben sind – gegen echtes Geld.

Die Branche rechnet dieses Jahr mit Umsätzen von drei bis vier Milliarden Euro. Mit dem Geld könnten sich alle 20 000 Einwohner einer Kleinstadt ein Auto leisten.

Zu kaufen gibt es als virtuelle Güter fast alles. Kosten: von wenigen Cent bis hin zu fünfstelligen Beträgen. Die samtene Roben und Zauberkugeln sind zwar für den Spielverlauf nutzlos, aber hübsch und deshalb begehrt. Magische Waffen und Zauberbücher bringen zumindest Vorteile.

Mit Pixelware lässt sich nicht nur in Rollenspielen wie World of Warcraft Geld machen. In der Simulation „Die Sims“ warten neue Möbel und Haustiere ebenso wie ganze Fertighäuser auf die Kunden.

Das Beste kostet Geld

Online-Spiele wie das in Facebook integrierte Farmville finanzieren sich sogar vollständig durch virtuelle Waren. Es lässt sich zwar kostenlos spielen. Wer mit seinem Gemüsegarten aber richtig schnell viele Punkte sammeln möchte, braucht Superdünger. Und den gibt es nur gegen Geld.

Vorsicht ist also geboten, wenn vermeintlich kostengünstige Spiele erst durch teure Zusatzausrüstungen Spaß versprechen. Bei ihnen heißt es: Finger weg, bevor es zu spät ist und mit der monatlichen Rechnung die böse Überraschung folgt.

Von Stefan Morisse

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