Schrubben und wischen in schwindliger Höhe

Für seinen Job muss Erseven ziemlich schwindelfrei sein.

Für manche Leute ist es Angst pur. Für Seraffetin Utar und Erseven Alincak ist es Alltag. Die beiden Männer putzen die Fenster von Hochhäusern. Von außen. In Höhen, in denen vielen schwindlig wird.

Der Wind rüttelt an der kleinen Gondel. Sie hängt mehr als 150 Meter über der Erde. In dem Metallkasten steht Seraffetin Utar und beugt sich mit einem Mopp zu den Fensterscheiben. Das Glas der zwei Hochhaustürme der Deutschen Bank in Frankfurt in Hessen ist dreckig. Der 38-Jährige soll es säubern. Er arbeitet, wo andere Menschen sich nie hintrauen würden. Er schrubbt die Fassaden von Hochhäusern.

"Gefährlich wird es, wenn dich der Wind erwischt", sagt der Fensterputzer mit dem blauen Hemd. Dann werde die Gondel hin und her geschüttelt. In Frankfurt habe mal eine Windböe eine ganze Gondel umgekippt und die Fensterputzer herausgeschleudert. "Die Arbeiter hatten aber Schutzseile", erzählt Seraffetin Utar. Daran baumelten die Männer in der Höhe, bis sie gerettet wurden.

Ihm sei das noch nie passiert, sagt der Fensterputzer und widmet sich wieder seiner Arbeit. Seit 20 Jahren macht er den Job. Angst hat er schon lange nicht mehr. Mit dem Mopp macht er die nächste Scheibe nass, bevor er das Wasser mit einem Wischer abzieht. "Aber immer von oben nach unten", sagt Utars Kollege Erseven Alincak. Der 31-Jährige steht auf der anderen Seite im Korb, damit das Gewicht gleichmäßig verteilt ist. Die Putzmänner sind immer im Team unterwegs. Wenn etwas passiert, könne man sich gegenseitig helfen.

Gut drei Monate brauche er mit seinem Team für das ganze Gebäude, sagt Seraffetin Utar. Also für die beiden spiegelnden Glastürme der Bank und für das Gebäude drum herum. Es ist eine endlose Aufgabe: Wenn das Team alles saubergemacht hat, kann es direkt wieder von vorn beginnen. "Mir macht das nichts", sagt Seraffetin Utar. "Dafür habe ich die beste Aussicht überhaupt."

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