Schalom - Ein Morgen in einer jüdischen Schule

Hebräisch-Lernen bei Frau Bistritzky: Der Schüler vorn trägt eine Kippa.

Aus dem Klassenzimmer schallt eine fröhliche Melodie. Es ist gerade einmal halb neun am Morgen in der jüdischen Grundschule in Hamburg. "Schalom" tönt es aus der Musikanlage. Das ist ein jüdischer Gruß auf Hebräisch und bedeutet übersetzt Frieden.

Hebräisch wird zum Beispiel in Israel gesprochen. Viele Menschen, die dort leben sind Juden. Das ist ein Volk mit einer besonderen Religion, dem Judentum. An diesem Morgen wird mit dem Lied der erste Buchstabe des hebräischen Alphabets begrüßt - Alef oder Aleph. Denn Unterricht in der Sprache Hebräisch steht auf dem Stundenplan für diese erste Klasse. Die Lehrerin Frau Bistritzky wartet schon auf die Jungen und Mädchen. Die kommen gerade vom Morgengebet, mit dem jeder Tag begonnen wird.

Joseph-Carlebach-Schule heißt diese Grundschule, die erst vor drei Jahren eröffnet wurde. Und obwohl es eine jüdische Schule ist, kommen nicht alle Schüler aus jüdischen Familien. Auch in der ersten Klasse von Frau Bistritzky herrscht eine bunte Mischung. "Einige Kinder sprechen zu Hause hebräisch, einige haben es schon ein bisschen in der Vorschule bei mir gelernt und ein paar Kinder sind ganz neu", sagt die Lehrerin.

Einige Jungs tragen ihre Kippa auf dem Kopf. Diese kleine, runde Kappe zeigt nach jüdischem Glauben die Ehrfurcht vor Gott. Auch beim Morgengebet, beim Essen und im Religionsunterricht haben die Jungs die Kippa auf.

Die Stunde geht weiter, die Kinder singen immer wieder das Alphabet-Lied und kringeln den Buchstaben Alef in ihren Lernheften ein.

Nach der Stunde schickt Frau Bistritzky einen Jungen, den Wagen mit dem Frühstück zu holen. Es gibt belegte Brote, die wie das Mittagessen in der Schulküche vorbereitet werden. Nach dem jüdischen Glauben muss das Essen nämlich koscher zubereitet werden. Das bedeutet, bestimmte Speisen dürfen nicht vermischt werden, wie Fleisch und Milch. Niemand an der Joseph-Carlebach-Schule darf deshalb Essen von zu Hause mitbringen. Damit das niemand vergisst, hängt am Eingang ein Schild, das daran erinnert.

Die christlichen Feiertage wie Weihnachten und Ostern fallen an der Schule auch aus, dafür gibt es aber jede Menge andere Feste. Im September wird zum Beispiel das jüdische Neujahrsfest gefeiert - Rosch ha-Schana. Eine Tradition ist es dabei, in Honig getauchte Apfelscheiben zu essen - damit es ein süßes Jahr wird. "Auch ich muss das alles erst lernen", sagt der Direktor. Er ist nämlich neu an der Schule - und nicht jüdisch, sondern eigentlich katholisch.

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