Ein Sack, der Musik macht

Gar nicht so einfach: Glen bekommt von seinem Dudelsacklehrer ein paar Techniken erklärt.

Glen geht durchs Zimmer - und Schritt für Schritt spielt er dabei die Töne einer Melodie. Sie kommen aus einer kleinen schwarzen Pfeife, in die Glen kräftig hinein pustet. Der 13-Jährige aus Berlin lernt ein ganz besonderes Musikinstrument: Dudelsack.

Weil ein richtiger Dudelsack recht groß und schwer und ziemlich laut ist, nimmt Glen zum Üben diese kleine Pfeife aus Plastik. Das macht man am Anfang meist immer so. Erst nach etwa einem halben oder einem Jahr sollte man sich am großen Dudelsack probieren. Das Üben ist schließlich auch mit der Pfeife anstrengend genug. Bis man die ersten Lieder spielen kann, dauert es.

Ein Dudelsack funktioniert nämlich anders als die meisten Instrumente. Zum Beispiel kann man darauf denselben Ton nicht zweimal hintereinander spielen. Und man kann die Lautstärke nicht verändern. Damit trotzdem eine Melodie entsteht, gibt es eine Technik, die man Verzierungen nennt. Das sind Extra-Töne, die zwischen die gleichen Töne geschoben werden.

Die Verzierungen zu lernen, ist schwierig. Aber Glen macht es Spaß. "Ich übe jeden Tag", sagt er. Der Schüler ist bei einem Urlaub mit seiner Familie in Schottland neugierig auf den Dudelsack geworden. Das Land ist berühmt für seine Dudelsackspieler. "Ich fand vor allem toll, wenn viele Dudelsäcke gleichzeitig zu hören waren. Das klang sehr beeindruckend", erzählt er.

Dudelsack-Lehrer Gunther Haußknecht erklärt: "Dudelsack spielt man am besten in der Gruppe. Wenn 10 bis 20 Dudelsäcke gemeinsam ertönen, klingt das einfach besser, als wenn nur 4 zu hören sind."

Seit einem halben Jahr etwa nimmt Glen jetzt Unterricht bei ihm. Bald wird Glen auch einen richtigen Dudelsack bekommen und darauf üben. Das wird dann noch etwas schwieriger als mit der Pfeife.

Auch Gunther Haußknecht muss kräftig pusten, damit die tiefen Klänge aus seinem Instrument kommen. Sein Dudelsack ist aus grünem Samt, aber es gibt unendlich viele Varianten: Kariert und sogar mit Blümchen oder Kuhmuster. Der Lehrer bläst in ein dickes Rohr aus braunem Holz, auf noch einer Pfeife spielt er mit den Fingern und drei weitere liegen auf seiner linken Schulter. Schon ist der ganze Raum erfüllt mit dem schönen Brummen des Dudelsacks. Bis Glen das kann ist es sicherlich nur noch eine Frage der Zeit.

Dudelsackexperte: Manche mögens, manche nicht

Gunther Haußknecht unterrichtet Schüler im Dudelsackspielen. Der 46-Jährige zeigt ihnen, wie sie dem Instrument die Töne und Melodien entlocken. Dudelsackmusik passt auch toll zu afrikanischen Trommlern findet er und erzählt noch ein paar andere interessante Infos.

Wann haben Sie angefangen Dudelsack zu spielen und warum?

Gunther Haußknecht: "Mit 13 Jahren habe ich dieses Instrument durch Zufall entdeckt, ich weiß gar nicht mehr wo. Ich wollte es dann unbedingt spielen lernen und nur meine Oma hat das ernst genommen - und einen Lehrer in meiner Heimatstadt Berlin für mich gefunden."

Was mögen Sie an dem Instrument besonders?

Gunther Haußknecht: "Musik zu machen, macht mir schon einfach Spaß. Mit dem Dudelsack macht man sehr rhythmische Musik. Ich finde außerdem spannend, dass seine Töne die Menschen berühren. Entweder die Leute mögen es sofort, wenn sie einen Dudelsack spielen hören, oder sie mögen es gar nicht."

Welche Musik kann man mit dem Dudelsack spielen?

Gunther Haußknecht: "Eigentlich jede, obwohl sich das viele nicht vorstellen können. Ich habe schon mit großen Symphonieorchestern gespielt, zu Schlagermusik und zusammen mit afrikanischen Trommlern. Bei den Trommlern zum Beispiel, da glaubt man ja erst, das würde gar nicht passen. Aber es klingt toll und ergänzt sich."

Was muss ich können, um Dudelsackspielen zu lernen?

Gunther Haußknecht: "Man kann Dudelsack lernen wie jedes andere Instrument auch. Hauptsache ist, dass man Spaß an der Musik hat. Meine jüngste Schülerin war sechs Jahre alt, für Kinder gibt es extra kleine Übungspfeifen. Man braucht auch keine Angst haben, dass man vielleicht nicht genug Kraft für dieses Instrument hat. Dafür übt man ja, das kommt mit der Zeit von ganz allein."

Der Dudelsack kommt nicht aus Schottland

Wer hätte gewußt, dass der Dudelsack nicht aus Schottland kommt? Die meisten Leute denken das, weil das Land im Nordwesten Europas bekannt ist für seine vielen Dudelsackspieler. Einige Fachleute vermuten, dass das Instrument aus Ländern am Mittelmeer kommt.

Vor langer Zeit - genauer gesagt im Mittelalter - wurde es dann in ganz Europa bekannt. Der Dudelsack schaffte es sogar bis in die Länder Kanada in Nordamerika und Indien in Asien.

Es gibt ganz unterschiedliche Arten von Dudelsäcken. Viele stammen aus Frankreich. Dort war der Dudelsack vor allem vor etwa 300 Jahren ein wichtiges Instrument an den Höfen der Adligen.

In Schottland wird noch heute besonders viel Dudelsack gespielt. In dem Land gehört das Instrument fest zum Leben der Menschen. Bei Auftritten mit seiner Band trägt Dudelsack-Spieler Gunther Haußknecht deshalb oft einen Kilt - das ist ein etwa knielanger Rock mit Karomuster. Der Rock ist ein Kleidungsstück in Schottland.

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