Reparieren auf drei Etagen: Eine ICE-Werkstatt

Eine ICE-Werkstatt ist riesig! Es wird auf drei Ebenen gearbeitet: drunter, drüber und auf der Ebene der Gleise.

Mit dem Fahrrad unterwegs - das sind Leute einer Werkstatt in Hamburg während ihrer Arbeit. Keine Werkstatt für Autos, sondern für ICE-Züge. Dass die Arbeiter radeln, liegt daran, dass die Werkstatt so groß ist.

Zu Fuß würde es viel zu lange dauern, bis ein Mitarbeiter zum Beispiel ein Ersatzteil aus dem Lager geholt hat. Die Halle, in der die blitzschnellen Züge repariert werden, ist etwa so breit wie ein Fußballfeld, aber ungefähr viermal so lang. Ganz genau ist sie 430 Meter lang und 65 Meter breit. Und ziemlich hoch ist sie auch.

Die Höhe ist sogar ziemlich wichtig, erklärt ein Fachmann, der in der ICE-Werkstatt arbeitet. Der Zug werde auf drei Ebenen repariert:

- UNTEN: Mit all seinen Wagen rollt der Zug in die Werkstatt hinein. Die Wagen werden normalerweise nicht auseinandergebaut. Die Schienen stehen auf einzelnen Pfeilern, die so hoch sind wie ein Zimmer. Die Techniker können also auch unter dem Zug nach dem Rechten sehen - und mit dem Fahrrad drunter durchbrausen. Von hier aus überprüfen sie zum Beispiel besonders die Radsätze. An denen hängen die Räder. Von unten kann man die Radsätze problemlos auswechseln, erzählt der Experte. Auch die Drehgestelle, ohne die ein ICE keine Kurven fahren könnte, werden unter die Lupe genommen.

- MITTE: Auf der mittleren Ebene sieht es ein bisschen aus wie auf einem Bahnhof. Es gibt einen Bahnsteig zum Einsteigen und Aussteigen. Von hier aus kann der Zug zum Beispiel schnell geputzt werden. Die Küche im Bordrestaurant wird mit Essen und Trinken bestückt und Mülleimer werden geleert. Ganz vorne im Triebkopf - das ist so etwas wie die Lok des ICEs - müssen Techniker die Elektronik in den Stromschränken überprüfen.

- OBEN: Richtig vorsichtig sein müssen die ICE-Mechaniker auf der oberen Ebene - dann sind sie mehr als sechs Meter über dem Hallenboden. Die Höhe ist aber gar nicht das Problem. Gefährlich sind die Stromleitungen, die dort oben verlaufen. Ohne die können die meisten ICEs nicht fahren. Durch die Leitungen fließt so viel Strom, dass man schon in Gefahr ist, wenn man nur daneben steht. Aber wenn auf dem Dach etwas kaputt ist, muss es halt jemand reparieren. Natürlich schalten die Mitarbeiter den Strom dann vorher ab.

Bei mir ist was kaputt... Schlaue ICEs

Wusstest du, dass schon bevor ein ICE in die Werkstatt kommt, die Mitarbeiter dort oft wissen, was sie reparieren müssen? Denn: Einige Meldungen zu Fehlern schickt der Zug schon vorher von ganz allein.

Die Technik eines ICEs überprüft sich während der Fahrt ständig selbst, erklärt ein Fachmann. So wird gespeichert, wenn zum Beispiel am Motor oder an der Elektronik etwas auffällig ist. Diese gespeicherten Daten werden automatisch an die Werkstatt geschickt, bevor der Zug dort ankommt. Die Mitarbeiter können sich dann besser vorbereiten - zum Beispiel schon einmal Ersatzteile bereitlegen.

Auch die Zugbegleiter können Schäden aufnehmen und der Werkstatt elektronisch Bescheid geben. Denn jeder Schaden hat eine Nummer. Ist zum Beispiel eine Armlehne im dritten Wagen kaputt, gibt es dafür eine Nummer. Der Mitarbeiter in der Werkstatt kann die neue Armlehne dann schon aus dem Lager holen, während der Zug noch unterwegs ist.

ICE-Züge sind eigentlich nur auf Achse - meist jeden Tag woanders. Trotzdem haben sie eine Heimat. Das ist ihre Werkstatt. Die ICEs der ersten Baureihe - das sind die ersten, die vor rund zwanzig Jahren gebaut wurden - sind zum Beispiel in Hamburg zu Hause.

Die Heimat-Werkstatt führt Buch über sie. Das heißt, in der Heimat-Werkstatt könnte man den Lebenslauf eines ICEs nachlesen. Auch größere, geplante Reparaturen werden hier gemacht. Zum Teil lagern in der Heimat-Werkstatt auch spezielle Ersatzteile, die andere Züge vielleicht gar nicht brauchen.

Weil ein ICE aber so viel unterwegs ist, muss er auch manchmal in andere Werkstätten fahren - für eine kleine Inspektion zum Beispiel, oder auch nur zur Reinigung. Aber dort ist er dann nur zu Besuch.

Vorsicht auf dem ICE-Dach - Lebensgefahr

Das Dach eines ICEs ist nicht irgendein Dach. Dort laufen gefährliche Stromleitungen. Deshalb dürfen selbst in der Werkstatt nicht alle Techniker dort rauf.

"Die Mitarbeiter, die dort etwas reparieren, bekommen eine besondere Einweisung", erklärt ein Experte.

Verschiedene Dinge müssten eingehalten werden, bevor jemand dem ICE aufs Dach steigt. Zum Beispiel wird der Strom vor der Reparatur abgeschaltet. Und mit einer Schalt-Blockade sorgen die Techniker auch noch dafür, dass ihn nicht jemand aus Versehen wieder einschaltet.

Der Fachmann hat ein paar Vergleiche parat, welch starker Strom in den ICE-Leitungen fließt: Der Strom in einer Modelleisenbahn habe maximal 24 Volt. Der Strom in der Steckdose hat bei uns 230 Volt - und auch da dürfe man auf keinen Fall hineinfassen. Die Oberleitungen der ICE-Züge aber hätten 15 000 Volt!

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