Wie Rehe durch die kalten Tage kommen

Eisige Kälte und wochenlang Schnee. Die meisten Rehe sind trotzdem gut durch den Winter gekommen. Denn die Wildtiere haben viele Tricks, um zu überleben.

Zum Beispiel bei der Futtersuche: Sie schieben den Schnee mit ihren Hufen beiseite und suchen den Boden nach Fressbarem ab. Wenn der Schnee ganz hart gefroren ist, geht das allerdings kaum noch. Manchmal kommen dann die Förster zur Hilfe und geben den Rehen Heu.

Rehe können den Bäumen schaden

Wusstest du, dass Rehe kleinen Bäumen ganz schön zu schaffen machen können? Sie knabbern im Winter die kleinen Knospen an den Zweigen ab. So können daraus im Frühjahr keine Blätter mehr sprießen. In der Förstersprache gibt es dafür ein Fachwort: Verbiss. Wenn das immer wieder passiert, reicht dir so ein Baum nur bis zum Knie - obwohl er vielleicht schon viele Jahre alt ist. Um das zu verhindern, werden die Bäume im Wald manchmal eingezäunt.

Wenn sie was zum Futtern finden, fühlen sich Rehe im Winter ganz wohl, sagen Fachleute. Die Rehe haben dann ein kuscheliges Fell. Es ist dichter und die Haare sind länger als im Sommer. Außerdem haben sie Hohlräume, sagt Tierfachmann Julian Heiermann vom Naturschutzbund, kurz NABU. Solche Haare mit viel Luft darin halten besonders toll warm. "Ähnlich wie ein dicker Pulli, den man sich als Mensch im Winter anzieht", erzählt Julian Heiermann. Oder wie eine dicke Wattejacke.

Das Fell hat im Winter außerdem eine andere Farbe. Aus dem sommerlichen Rotbraun wird oft ein unscheinbares Graubraun. Damit passen sich die Rehe an ihre Umgebung an. Im Winter sieht der Wald mit vielen kahlen Bäumen ja auch häufig grauer aus.

Wenn die Rehe auf den winterlichen Feldern nach Futter suchen und graben, bekommen wir sie aber öfter zu sehen. Sie wirken dann manchmal richtig zutraulich und zahm.

Doch sie sind oft gar nicht zahm. Sie versuchen, Kräfte zu sparen - und bewegen sich so wenig wie möglich. Näher herangehen solltest du deshalb nicht. Die Tiere erschrecken sich sonst und verbrauchen beim Weglaufen viel Energie.

In ein paar Wochen werden die Rehe wieder gutes, frisches Futter finden. Das Gras wächst wieder und die Blätter an den Bäumen auch.

Für Mai wird dann die Geburt der ersten Rehkitze erwartet. Für die Tiermütter mit ihren Kleinen beginnt eine angenehm warme Zeit. Ums Futter müssen sie sich dann weniger Sorgen machen als im Winter: Gerne mögen Rehe zum Beispiel Blätter, Klee und Löwenzahn - aber auch Pilze, Eicheln und Beeren.

Hintergrund: Reh-Kitze bloß nicht anfassen

Im Moment verhalten sich die Rehe ganz ruhig, um Energie zu sparen. Richtig hektisch geht es bei den Tieren dagegen im Juli und August zu: Im Sommer ist nämlich Paarungszeit. Die Männchen werben um die Weibchen und rennen ihnen durch den Wald hinterher.

Für die Rehe sei das eine ziemlich gefährliche Zeit. Denn Liebe macht - wie ein Sprichwort sagt - blind, erzählt Tierfachmann Julian Heiermann von der Umweltgruppe NABU. Das ist zwar nicht wörtlich gemeint - die Tiere können noch sehen. Aber vor allem männliche Rehe, die Böcke, sausen rum wie blind. Im Liebestaumel rennen sie manchmal kopflos über die Straße und stoßen mit einem Auto zusammen.

Nach der Paarungszeit müssen sich die Tiere den Winter über durchschlagen. Da sind sie oft in Gruppen unterwegs. Erst im Mai darauf kommen die Kitze zur Welt.

Niedlich sehen die aus, mit ihrem weiß getupften Fell. In der ersten Zeit bleiben die Kitze oft versteckt im Gras liegen und machen keinen Mucks. Nur ihre Mutter weiß, wo sie sind. Sie kommt regelmäßig vorbei, um ihre Kleinen zu säugen. Im hohen Gras können Feinde wie Füchse oder Wildschweine die Kitze nicht finden.

Falls du mal zufällig ein Kitz findest: Auf keinen Fall anfassen! Wenn das Kleine plötzlich nach Mensch müffelt, will seine Mutter oft nichts mehr von ihm wissen und verlässt es. Dann verhungert das Kitz.

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