Plattform zu Online-Drogen

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Die Plattform www.Legal-High-Inhaltsstoffe.de berät Konsumenten und Interessenten auch anonym.

Frankfurt/Main - Unter fantasievollen Namen können im Internet synthetische Drogen bestellt werden. Vor ihren unerforschten Wirkungen warnen Fachleute. Jetzt gibt es dazu eine in Deutschland einmalige Webseite.

Verpackt in bunte Tütchen und getarnt als Räuchermischung, Badesalz oder Düngerpillen: Der Verkauf synthetischer Drogen über das Internet boomt nach Einschätzung von Fachleuten. Die Wirkung und langfristigen Risiken der „Legal Highs“ seien jedoch nicht erforscht, warnen sie. Eine in Deutschland einzigartige Internet-Plattform des Frankfurter Drogenreferats bietet jetzt online Infos über die Substanzen, wie Gesundheitsdezernentin Manuela Rottmann (Grüne) am Montag mitteilte. Unter der Adresse www.Legal-High-Inhaltsstoffe.de können sich Konsumenten und Interessenten auch anonym beraten lassen und Analysen der Freiburger Gerichtsmedizin lesen.

Mehr als 40 der psychoaktiven Substanzen seien 2010 aufgetaucht - so viele wie nie zuvor, sagte Rottmann. Tendenz steigend: „Das explodiert von Jahr zu Jahr“, sagte Karsten Tögel vom Drogenhilfeträger Basis. Der Verein hat zusammen mit dem Drogenreferat das Online-Portal entwickelt. „Die Konsumenten nehmen unfreiwillig an einem großen Feldversuch teil“, sagte die Leiterin des Drogenreferats, Regina Ernst. Die Zusammensetzung der synthetischen Drogen variiere von Tütchen zu Tütchen. Die synthetischen Cannabinoide könnten eine bis zu 800-fache Wirkung von Cannabis haben, sagte Tögel.

Die Stoffe fallen unter das Arzneimittelgesetz, ihr Verkauf sei somit strafbar. Vom Betäubungsmittelgesetz erfasst zu werden, setze dagegen ein langwieriges Verfahren voraus, sagte Rottmann. „Das ist ein Katz- und Mausspiel. Auf die Verbote wird schnell mit neuen Angeboten reagiert.“

Über die Konsumenten ist nur wenig bekannt. Die meisten sind einer Online-Befragung der Frankfurter Uni zufolge junge Männer im Durchschnittsalter von 24 Jahren. Umfragen des Drogenreferats bei Jugendlichen in Frankfurt ließen auf „neugieriges Probierverhalten“ schließen, sagte Ernst. Viele Konsumenten nähmen die synthetischen Substanzen aus der Pharmaforschung anstelle anderer Drogen. Bei den meisten Nutzern handle es sich aber um Gelegenheitskonsumenten.

dpa

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