Parkour - die ganze Stadt als Spielplatz

Coole Sprünge aus dem Stand: Fabian von einem Trainer entdeckt und übt mehrmals die Woche.

Über Mauern springen, Treppengeländer schlittern und auf Vorsprünge springen: das sieht richtig lässig aus. Immer mehr Kids machen den Trendsport Parkour.

Aber nicht unterschätzen: hierfür muss man total fit sein. Träge gluckert ein Springbrunnen in der Mittagshitze. Eine Frau mit Kinderwagen überquert den Platz. Ein paar Tauben gurren. Plötzlich springt ein Junge in neongelben Turnschuhen von einem Geländer über einen zwei Meter breiten Spalt. Er rennt weiter, nimmt Anlauf und zieht sich eine senkrechte Wand hinauf.

Warum Fabian das macht? Er trainiert Parkour. Das ist ein Trendsport, eine Art Hindernislauf. Dabei überwinden die Leute alles Mögliche, was ihnen in der Stadt im Weg steht - zum Beispiel Mauern. "Für normale Leute ist ein Geländer ein Hindernis. Für mich ist das ein Spielplatz", sagt Fabian in einer Verschnaufpause. Man müsse sich dafür gut einschätzen können, sagt der 15-Jährige. Und das Ziel sei, in einer fließenden Bewegung über die Hindernisse zu kommen.

Website der Show URBANATIX

Fabian ist gerade an einem Ort in Dortmund, an dem er besonders viel ausprobieren kann. Es ist sein Lieblingsplatz in der Stadt in Nordrhein-Westfalen. Hier trainiert er samstags Anfänger. Er selbst fing mit 13 Jahren mit dieser Sportart an. Vorher fuhr er nur ein bisschen Skateboard. Inzwischen hat ein Trainer ihn entdeckt. Fabian machte eine Ausbildung zum Co-Trainer. Und eine Jury wählte ihn für eine Show aus. Seitdem übt er mehrmals die Woche hart.

Es ist knapp 30 Grad warm. Aber Fabian trainiert weiter. Aus dem Stand kann Fabian etwa so weit springen wie eine Tischtennisplatte lang ist.

Als er einen Salto über eine Hecke macht, bleibt ein älterer Mann stehen. "Wow!" ruft er. Leider, erzählt Fabian, mache er meistens schlechte Erfahrungen mit Erwachsenen. "Viele Leute denken, dass wir Eigentum kaputt machen und nicht vorsichtig damit umgehen. Die denken, die Jungs sind in der Pubertät und haben ne große Fresse."

Dabei gebe es Regeln beim Parkour, erklärt er: "Man muss den Ort so hinterlassen wie man ihn vorgefunden hat, man darf niemanden belästigen." Und man dürfe es nur an Orten machen, an denen man sein darf.

Parkour: Trendy, lässig und sehr anspruchsvoll

Auf den ersten Blick sieht Parkour wie ein cooler und lockerer Trendsport aus. Es ist aber harte Arbeit. Markus Luksch hat ein Buch über die Trendsportart geschrieben. Und er betreibt sie selbst. Der 31-Jährige erklärt, worauf man am Anfang achten muss.

Waghalsige Sprünge, so wie ihr sie macht, sieht man auch in Filmen. Ist das denn wirklich Parkour?

Markus Luksch: "Parkour wird oft so dargestellt, als seien die Sportler wie Spiderman, der über die Dächer kraxelt. Aber Parkour meint nicht die extrem hohe Geschwindigkeit und die Sprünge über Häuserdächer. Viele haben den Grundgedanken gar nicht verstanden: Es geht im Parkour nicht darum, mit dem Körper wilde Experimente zu machen. Es geht darum, möglichst kraftschonend, flüssig und sicher Hindernisse zu überwinden."

Welche Fehler sollte man gerade am Anfang vermeiden?

Markus Luksch: "Einer der häufigsten Anfängerfehler ist, dass man sich gleich zu Beginn überschätzt. Auch ich habe am Anfang zu weite Sprünge, unfeine Landungen gemacht und dabei so manche Feder gelassen. Die Fähigkeiten für Parkour müssen sich Schritt für Schritt entwickeln, das braucht Zeit. Wenn man gleich zu Beginn zu schnell und zu kraftvoll ist, kann das zu gesundheitlichen Problemen und Unfällen führen."

Was ist das wichtigste im Training für einen Anfänger?

Markus Luksch: "Am Anfang machen wir im Training ganz viel, um an der Körperstabilität und am Gleichgewicht zu arbeiten. Wir gehen auf allen vieren Treppen hoch und runter, wir machen Klimmzüge, Liegestütze, Kniebeugen und balancieren auf Metallrohren und Kanten. Mit all diesen Übungen bereiten wir uns auf das Parkourlaufen vor."

Tretet ihr denn gegeneinander an?

Markus Luksch: "Wir wollen keinen Wettbewerb. Zentral im Parkour ist, dass man sich nur mit sich selbst, gegen sich selbst und dem Material wie Treppen und Geländer auseinandersetzt."

Parkour-Sport kommt aus Frankreich

Die Trendsportart Parkour kommt wohl aus Frankreich. In unserem Nachbarland soll ein Mann auf die Idee zu dem Sport mit den schwierigen Hindernissen gekommen sein.

Für manche ist Parkour auch eine Kunst. Die Kunst, sich möglichst schnell einen Weg über Hindernisse zu suchen.

Die Sportler nennen sich selbst Traceur. Das Wort kann man nicht ganz genau übersetzen. Manche sagen zum Beispiel dazu: Jemand, der seinen Weg geht.

Das Ziel der Sportler ist, alle Hindernisse in der Umgebung zu überspringen oder zu überklettern. Hindernisse können zum Beispiel Hecken, Bänke oder Garagen sein.

Kleines Parkour-Lexikon

Katzensprung und Tic-Tac - Einige Namen von Sprüngen und Bewegungen beim Parkour klingen komisch. Was sich dahinter verbirgt, erfährst du in diesem kleinen Lexikon: 

Armsprung: Dabei landet man zum Beispiel hängend an einer Wand. Will der Sportler etwa von einer Wand an eine andere springen, berühren seine Füße zuerst die Wand. Sie federn den Aufprall ab. Dann packen die Hände schnell gekonnt zu.

Katzensprung: Er geht so ähnlich wie ein Hocksprung beim Turnen. Der Sportler springt auf allen vieren über ein Hindernis - mit den Händen zuerst, die Füße zieht er hinterher. Dieser Sprung eignet sich für besonders weite Sprünge.

Rolle: Die Parkour-Leute lernen, sich abzurollen. Mit einer Rolle wird ein Sprung abgefangen.

Tic-Tac: Dabei stößt sich der Sportler zum Beispiel mit einem Fuß an einer Wand ab, um dann über eine Mauer zu springen.

Für Anfänger gilt: Wer nicht böse stürzen und sich richtig wehtun will, sollte auf keinen Fall etwa mit schweren Sprüngen beginnen. Balancieren ist zum Beispiel das Richtige zum Start in die Sportart.

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