Bei den Nacktmullen geht es etwas gröber zu

"Ich muss da mal rüber!" Nacktmulle gehen nicht gerade zimperlich miteinander um.

Sie können rückwärts so schnell wie vorwärts flitzen. Und in ihrem Bau trampeln sie auch mal gerne übereinander drüber: Nacktmulle. Die kleinen Nager werden wohl nie einen Schönheitswettbewerb gewinnen.

Aber sie sind dennoch hochinteressant. Nackt, runzelig und hautfarben, hier und da ein paar widerspenstig abstehende Borsten: Schön ist ein Nacktmull nicht gerade! Nacktmulle sind sogar ziiiiemlich hässlich. Ihr Körper erinnert an ein schrumpeliges Bockwürstchen, dem man vorne Walrosszähne drangesetzt hat. Zudem sitzen die Augen wie aufgemalt auf dem Kopf. Und selbst ausgewachsene Tiere sehen - nackig wie sie sind - aus wie frisch geboren. Und trotzdem: Niedlich sind sie irgendwie doch.

Nacktmulle sind Nagetiere, sie leben zum Beispiel in Kenia und Äthiopien in Afrika. Auf der Suche nach Wurzeln und anderen Leckerbissen graben sie sich mit ihren Zähnen durch die harten Böden. Dabei entstehen Baue, die so riesig werden können wie mehrere Fußballfelder zusammen.

Um unter der Erde zu überleben, haben Nacktmulle besondere Eigenschaften. Sie sind fast blind, können dafür aber gut riechen, schmecken und fühlen. Sie besitzen Borsten, die sie zum Beispiel als Abstandhalter und als Organ zum Tasten benutzen. Und sie brauchen nur sehr wenig Sauerstoff zum Atmen. Denn in ihrem Körper laufen viele Vorgänge einfach langsamer ab.

In ihrem Bau sind Nacktmulle übrigens ständig unterwegs. Sie wuseln übereinander her, treten sich auf die Köpfe und Schwänze, schupsen und rempeln was das Zeug hält. Schmerz scheinen sie nicht zu kennen und rückwärts sind sie genauso schnell wie vorwärts.

Besonders beeindruckend ist aber ihr Leben in der Gemeinschaft: Nacktmulle leben manchmal mit um die 300 anderen Tieren zusammen. Erstaunlich dabei ist: Jeder Nacktmull hat eine bestimmte Aufgabe. Es gibt eine Königin und ihre Männer, Arbeiter, Soldaten, Putzkolonnen, Kammerzofen und Kindermädchen. Unter Säugetieren ist das etwas Besonderes. Forscher kannten so etwas lange Zeit nur von Insekten wie Bienen und Ameisen.

Die Königin einer Nacktmull-Kolonie herrscht recht grob über ihr Volk. Sie lässt sich von vorne bis hinten bedienen. Wer nicht gehorcht, wird geknufft, gerempelt und geschubst. Und übrigens: Kinderkriegen ist bei den Nacktmullen die Sache der Königin.

Wie Nacktmulle Nashörnern helfen könnten

Vom Riesen-Tier zum Mini-Tier: Ausgerechnet Wissenschaftler, die sich sonst mit großen Tieren wie Elefanten oder Flusspferden beschäftigen, interessieren sich für Nacktmulle. Die Forscher sind vom Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin.

Die Wissenschaftler helfen großen bedrohten Tieren bei der Vermehrung, zum Beispiel seltenen Nashornarten. Dabei hoffen sie immer auf besonders viele weibliche Jungtiere. Weshalb? Ganz einfach: Gäbe es zum Beispiel mehr weibliche Nashörner oder Flusspferde, könnten mehr Jungtiere geboren werden. So könnte eine bedrohte Tierart vielleicht vor dem Aussterben gerettet werden.

Aber wie kann man beeinflussen, ob ein weibliches oder männliches Tier zur Welt kommt? Eine Antwort auf diese Frage erhoffen sich die Forscher auch von den kleinen Nacktmullen. Die Forscher vermuten, dass bestimmte Vorgänge im Körper männlicher Tiere das Geschlecht des Nachwuchses beeinflussen. Das das Ganze also kein Zufall ist wie bei vielen anderen Säugetieren.

Das soll bei Flusspferden auch so sein - und offenbar auch bei Nacktmullen. Zum Glück der Forscher. Denn Nacktmulle sind klein genug, um sie im Labor zu halten. Außerdem bekommt eine Königin sehr häufig Junge. Die Wissenschaftler können die Vorgänge im Körper der Männchen dann genauer untersuchen. Und so helfen Nacktmulle sogar beim Artenschutz.

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