Merkel besucht deutsche Schule in der Türkei

Bundeskanzlerin Angela Merkel verteilte auch Autogramme.

Manche Schüler winken, andere halten ihre Fotoapparate hoch, der nächste will ein Autogramm: In einer Schule in Istanbul in der Türkei herrschte am Dienstag Aufregung. Denn zu Besuch war die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel.

An der Schule werden türkische und ausländische Jugendliche viel auf Deutsch unterrichtet. Angela Merkel traf sich dort mit mehreren Schülern und unterhielt sich mit ihnen. "Ihr seid ein bisschen nervös, oder?", fragte sie die Jugendlichen. "Braucht ihr aber nicht, ich bin ja ein ganz normaler Mensch."

Viele Menschen beobachteten in den vergangenen Tagen genau, wie der Besuch von Angela Merkel in der Türkei so läuft. Merkel führte dabei etwa zwei Tage lang viele wichtige Gespräche. Unter anderem auch mit dem Ministerpräsidenten der Türkei, mit Recep Tayyip Erdogan. Und gerade mit ihm hatte sie in letzter Zeit etwas Stress. Dabei ging es unter anderem auch um das Thema Schulen.

Erdogan hatte gefordert, dass es in Deutschland auch türkische Gymnasien geben soll. Also Schulen, an denen die Jungen und Mädchen vor allem Unterricht auf Türkisch haben. In Deutschland leben fast 3 Millionen Türken. Und Erdogan sagte: Für die sei es erstmal wichtig, richtig gut Türkisch zu sprechen.

Merkel hatte dazu eine etwas andere Meinung: Wer in Deutschland zur Schule geht, soll zuerst einmal Deutsch lernen - und auch auf Deutsch unterrichtet werden, fand sie. Nur so könne man richtig im Land mitmischen. Bei ihrem Besuch in der Türkei meinte sie aber: Sie will weiter mit Erdogan über mehr türkische Schulen in Deutschland reden. "Wir haben heute schon eine Vielzahl von deutsch-türkischen Schulen. Wir können natürlich auch über weitere Projekte in diesem Bereich reden."

Türkisch oder Deutsch: Schüler lernen gemeinsam

Geschichte auf Deutsch, aber Mathe auf Türkisch: So sieht manchmal der Unterricht in einer Grundschule in Hamburg aus.

In dem Stadtteil, in dem die Schule liegt, gibt es nämlich viele türkische Kinder. Wenn möglich, sitzen im Unterricht immer ein deutsches und ein türkisches Kind zusammen, damit beide voneinander lernen können. Das macht ziemlich Spaß, findet Jule. Jule ist acht Jahre alt und geht in die zweite Klasse. Sie erzählt, wie der Unterricht in ihrer Schule funktioniert.

Wie groß ist deine Klasse und wie sieht sie aus?

Jule: "In meiner Klasse sind wir 23 Schüler. Wir haben drei Lehrer, davon sind zwei türkisch und einer deutsch. Manche meiner Mitschüler sind türkisch, manche deutsch. Aber es gibt auch andere ausländische Kinder. Ich sitze neben einem türkischen Jungen. Er heißt Aakis. Er hilft mir bei türkischen Sachen und ich ihm bei den deutschen."

Und dann habt ihr noch extra Türkisch-Unterricht. Wie läuft das?

Jule: "Beim Türkisch-Unterricht werden wir in zwei Gruppen aufgeteilt. Da gibt es die Gruppe mit den türkischen Kindern und die mit den deutschen und anderen. Hier lernen wir dann türkische Wörter und türkische Sätze. Wir lernen auch Tabellen mit Buchstaben, die ich schon auswendig kann. Die Buchstaben im türkischen Alphabet sind nämlich anders. Einige haben unten noch einen Strich wie das s, das spricht man dann "sch" wie bei Scheune."

Wie oft habt ihr Türkisch-Unterricht?

Jule: "Drei Mal die Woche. Und Hausaufgaben gibt es auch."

Kannst du gut Türkisch?

Jule: "Einmal war unsere Mathelehrerin krank und wir hatten den Unterricht bei unserem Türkischlehrer. Das fand ich nicht so toll, da er flüssig auf Türkisch unterrichtet hat. Da hab ich nur noch ein paar Wörtchen verstanden. Aber im Supermarkt weiß ich oft, wie die Sachen heißen."

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