Mehr als nur ein Klick: Fotografie als Kunst

Elliott Erwitt mit seinem lustigen Hundefoto.

Fotografieren - das kann jeder. Oder? Ein Klick auf dem Handy oder der Digitalkamera und schon ist das Foto fertig. Aber wenn's so kinderleicht ist... warum hängen Fotos dann in Museen?

Fotograf Ralf Stiebing lebt in Berlin. Und er meint: Fotos können auch ganz anders aussehen als ein Schnappschuss mit dem Handy. Und es steckt oft viel mehr Arbeit drin.

Fotografieren früher

Ein Ball, der durch die Luft fliegt oder ein Pferd, das galoppiert - viele Fotos fangen eine Bewegung ein. Was heute ganz normal ist, war vor rund 170 Jahren unmöglich. Alles, was sich doll bewegte, war damals auf den Bildern unsichtbar. Denn die ersten Kameras brauchten mehrere Minuten, um ein Foto zu machen. So lange dauerte es, bis genug Licht für ein Foto durch die Kamera gefallen war.

Alles, was sich währenddessen bewegte, wurde nicht scharf abgebildet. Es war gar nicht oder bestenfalls als verwischter Schatten erkennbar. Denn die Kamera konnte es nicht schnell genug "einfangen". So konnte es passieren, dass eine Straße voller Fußgänger und Pferdekutschen auf der Aufnahme menschenleer aussah - bis auf einen Mann, der sich die Schuhe putzen ließ. Denn der saß still.

Häufig überlegt sich ein Fotograf vorher nämlich ganz genau, wie sein Foto aussehen soll. Er fragt sich zum Beispiel: Stimmt das Licht für mein Motiv? Oder komme ich besser in zwei Stunden wieder? Denn ein altes Haus wirkt im Abendlicht ganz anders als am Morgen. Sollen die Menschen in der Mitte des Bildes stehen oder eher am Rand? Viele Fotografen wollen mit ihren Bildern überraschen und manchmal auch nachdenklich machen. So wie der amerikanische Künstler Elliott Erwitt. Eines seiner Fotos sieht so aus: zwei Beine von einem großen Hund, zwei Beine von einem Menschen und daneben ein kleiner Hund mit Mütze. Also nicht unbedingt das, was wir abknipsen würden. Und noch etwas verrät der Fotograf Ralf Stiebing: "Ein künstlerisches Foto lässt Platz für die Fantasie des Betrachters". Das heißt: Jeder sieht ein Bild ein bisschen anders. Zum Beispiel das Foto von Elliott Erwitt: Manche fragen sich vielleicht, warum ist nicht der Mensch im Mittelpunkt? Andere wollen wissen, warum der kleine Hund eigentlich eine Mütze trägt.

Hintergrund: Wenn Profis Fotos machen

An alten Kameras musste man viel mehr einstellen, damit das Foto zum Beispiel nicht verwackelte. Heute machen das die meisten Apparate automatisch. Für Menschen, die nur ab und zu fotografieren, ist das sehr praktisch: Sie müssen nur auf den Auslöser drücken.

Richtige Profis arbeiten aber auch heute noch mit Kameras, die sich per Hand einstellen lassen. So können sie besser Effekte erzielen, die sie sich selbst überlegt haben. Denn oft wollen sie ja gerade nicht, dass ihre Fotos so aussehen wie jedes beliebige Urlaubsfoto.

Vielleicht soll das Foto ja absichtlich verwackelt aussehen. Oder das Gesicht vorn im Bild soll unscharf sein, damit der Blick des Betrachters auf einen kleinen Gegenstand dahinter fällt.

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