Marionettenspieler machen Puppen lebendig

Bernhard Leismüller hat seine Marionetten alles selbst geschnitzt.

Er spielt gerne mit Puppen. Dabei ist Bernhard Leismüller schon lange erwachsen. Aber für seinen Beruf ist das Alter nicht wichtig. Denn er ist Puppenspieler - genauer gesagt Marionettenspieler.

"Das besondere an Marionetten ist ihre Beweglichkeit. Man kann sie auf der Bühne richtig lebendig werden lassen", sagt er. Um zu zeigen, was er meint, nimmt er eine Balletttänzerin im weißen Kleid in die Hand. Vorsichtig hebt und senkt er die dünnen Fäden ­ und schon fängt die Holzpuppe an zu tanzen.

Elf Jahre alt war Bernhard Leismüller, als er mit dem Marionettenspielen anfing. "Es hat mir von Anfang an sehr viel Spaß gemacht. Um die Technik richtig zu beherrschen, muss man aber viel üben." Später hat er im Bundesland Bayern ein eigenes Theater gegründet. Es ist ein kleines Opernhaus - auf der Bühne werden nur berühmte Opern gezeigt. Zum Beispiel "Die Zauberflöte" oder "Carmen".

Im Theater von Bernhard Leismüller gibt es zwölf Puppenspieler. "Wir hatten auch schon 14-Jährige dabei. Jugendliche tun sich oft leichter als Erwachsene, das Puppenspielen zu lernen", erzählt er. Wer bei richtigen Aufführungen mitspielen will, muss die Technik können - und er sollte musikalisch sein. Denn die Spieler müssen die Musik und den Text der Oper auswendig können. Die Lippen der Marionetten können die Puppenspieler zwar nicht bewegen. "Aber sie verpassen sonst ihren Einsatz", sagt Leismüller.

Ungefähr 400 Marionetten gibt es in der Marionetten-Oper von Bernhard Leismüller. Er hat sie alle selbst aus Holz geschnitzt, die einzelnen Teile zusammengebaut, sie bemalt und sogar ihre Kleider selbst genäht. "In jeder Puppe steckt eine Menge Arbeit. Manchmal sitze ich bis nachts in meiner Werkstatt", erzählt er. "Schon als Kind habe ich gerne geschnitzt und hatte immer ein Messer in der Tasche."

Worauf kommt es beim Puppenspielen an?

Vivian Stock ist die jüngste Puppenspielerin in der Lindauer Marionetten-Oper. Sie ist 17 Jahre alt.

Sie erzählte, warum sie ein super Gefühl in den Fingern braucht.

Wie bist du zum Puppenspielen gekommen?

Vivian Stock ist die jüngste Puppenspielerin in der Lindauer Marionetten-Oper.

Vivian Stock: "In der Zeitung habe ich gelesen, dass die Marionetten-Oper neue Spieler sucht. Und weil mich das Theater schon immer begeistert hat, bin ich einfach mal hingegangen."

Ist es schwierig, eine Marionette zu bewegen?

Vivian Stock: "Es sieht auf jeden Fall viel leichter aus als es ist. Als Spieler in einem Theater sieht man die Puppe ja immer nur von oben. Und man braucht einige Zeit, bis man ein Gefühl dafür entwickelt. Am Anfang schwebt die Marionette oft über dem Boden oder geht in die Knie. Gleichmäßiges Laufen ist auch ziemlich schwierig. Und dann sind da noch die vielen Fäden, mit denen man nicht hängen bleiben darf."

Wie lange dauert es, bis man es richtig kann?

Vivian Stock: "Wenn man regelmäßig übt ungefähr drei Jahre. Dann beherrscht man die Technik so gut, dass man die Puppe auf der Bühne richtig lebendig werden lassen kann. Es heißt immer, Puppenspielen lernt man ungefähr so schnell wie ein Instrument spielen."

Braucht man ein bestimmtes Talent?

Vivian Stock: "Ja, man sollte viel Gefühl in den Fingern haben. Und man braucht Ehrgeiz und Ausdauer, wenn man irgendwann richtige Rollen übernehmen will."

Dünne Fäden und leichtes Holz

Eine Marionette hängt an dünnen Fäden - und sie besteht aus mehreren Einzelteilen.

Das ist wichtig, denn nur so kann der Puppenspieler ihre Füße und Hände heben oder ihren Kopf drehen.

Am Theater in Lindau in Bayern hat eine Marionette in der Regel mindestens acht Fäden. Wenn sie sich besonders viel bewegen soll, kommen noch ein paar Spezial-Fäden dazu. Eine Balletttänzerin hat zum Beispiel ganze 23 Stück.

Jeder Faden ist etwa zwei Meter lang. Das muss so sein, weil der Puppenspieler seine Marionette von weit oben bewegt. Dadurch ist er für die Zuschauer sozusagen unsichtbar.

Alle Fäden einer Marionette laufen oben in einem Holzkreuz zusammen. Das hält der Puppenspieler in den Händen. Damit sich die Marionette gut bewegen lässt und der Spieler keine müden Arme bekommt, ist das Spielkreuz aus ganz leichtem Holz geschnitzt.

Puppentheater in Deutschland

In Deutschland gibt es mehrere Hundert Puppen- und Figurentheater. Dort wird aber nicht nur mit Marionetten, sondern auch mit Handpuppen oder Stabpuppen gespielt.

In den meisten Theatern sind mehrere Puppenspieler beschäftigt. Es gibt aber auch Ein-Mann-Theater, bei denen einer allein das Publikum unterhält. Eines der berühmtesten Marionettentheater in Deutschland ist die Augsburger Puppenkiste. Durch das Fernsehen wurden die Figuren wie Urmel aus dem Eis, Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer bekannt.

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