Märchen aus hell und dunkel: Schattentheater

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Friedrich und sein Kollege Dimitri zeigen stolz die selbstgebastelten schwarzen Pappfiguren für das Schattentheater.

Dunkle Schatten huschen über die Leinwand: Willkommen im Schattentheater! Friedrich Raad hat einen ungewöhnlichen Beruf: Er ist Theater-Chef, aber sein ganzes Theater passt in einen Kofferraum!

Und obwohl er in allen Stücken selbst mitspielt, kann man ihn nie auf der Bühne sehen. Zudem kann Friedrich nur Theater spielen, wenn es ziemlich dunkel ist. Das alles liegt daran, dass er ein besonderes Theater hat: ein Schattentheater.

Bei einem Schattentheater gibt es keine 3D-Effekte oder wilde Kamerafahrten wie im Kino. Mit kleinen Figuren aus Pappe - festgemacht an einem Stab - lassen Friedrich und sein Kollege Dimitri Lermann einfach Schatten über eine helle Leinwand tanzen. So können sie mit ihren Schatten-Schauspielern zum Beispiel viele verschiedene Märchen erzählen.

Seine Bühne und die Figuren hat Friedrich selbst gebaut, aus Holz, Pappe und sogar aus alten Regenschirmen. „Bis zu sieben Stunden bastele ich an einer Puppe“, sagt er. Und sogar die Stimmen der Schattenfiguren spricht Friedrich selbst. „Nur die Musik“, sagt er und lacht, „kommt von meinem iPod“.

Seit fast 20 Jahren fährt der Schattenspieler mit seinem Theater durch Deutschland. Sein Publikum ist begeistert: „Ich finde das besser als Kino“, sagt Rosa. Die Siebenjährige hat sich eine Schatten-Aufführung von Aschenputtel angeschaut.

Einmal hatte Friedrich Raad aber Glück im Unglück: Gerade hatte er eine Vorführung beendet. Da fing es auf einmal in seiner selbst gebauten Bühne an, zu ächzen und zu knacksen. Einer der beiden Holzständer gab nach, und die zwei Meter hohe Konstruktion krachte über Friedrich zusammen. „Die Kinder aus dem Publikum dachten, das gehöre vielleicht noch zur Aufführung“, erinnert sich der Schattenspieler. Glücklicherweise konnte er aber alles bis zur nächsten Vorstellung wieder aufbauen.

Es gibt nur eine Sache, über die sich der 48 Jahre alte Friedrich Sorgen macht: „Wenn ich dann irgendwann nicht mehr kann oder will, kommt das Schattentheater dann auf den Sperrmüll?“ Aber sein jüngerer Kollege Dimitri beruhigt ihn: „Ich kann mir schon vorstellen, das auch ein Leben lang zu machen.“

Denn das Schattentheater ist einzigartig - da sind sich die beiden einig: Es entsteht jedes Mal eine Vorstellung, die es noch nie gab, und die es so nie wieder geben wird.

So funktioniert ein Schattentheater

Wusstest du, dass man Theater schon mit einer Lampe und einem Bettlaken spielen kann? Für sein Schattentheater strahlt Friedrich Raad ein weißes Tuch mit einer superhellen Lampe an.

Wenn er jetzt seine schwarzen Pappfiguren zwischen die Lampe und das Tuch hält, sieht man von der anderen Seite bloß ihre Umrisse - also ihre Schatten.

So kann er alle möglichen Geschichten wie auf einer echten Bühne vorspielen.

So etwas kann man sich auch zu Hause basteln“, erklärt Friedrich. Was man dazu braucht: ein aufgespanntes Tuch und eine Lampe. Und für die Figuren etwas Pappe, eine Schere und Kleber. Aus der Pappe kann man sich eine Figur basteln. Die macht man dann an einem länglichen Stück Pappe - oder einem Stab - fest.

Man kann die Figuren aber auch mit den Fingern spielen. So kann jeder zum Theaterbesitzer werden und mit etwas Fantasie seine eigenen Schatten-Schauspieler auf die Bühne bringen.

Bei den Vorführungen mit seinem Schattentheater benutzt Friedrich Raad gerne verschiedene bunte Hintergründe. Dadurch sehen die Zuschauer farbige Motive, auf denen sich die Schatten bewegen.

Damit er die Hintergründe während des Stücks wechseln kann, hat sich der Schattenspieler einen Trick ausgedacht: Er benutzt eine lange, durchsichtige Folie, auf die er die einzelnen Hintergrundbilder nebeneinander aufmalt.

Den Anfang der Folie legt Friedrich zu Beginn der Vorstellung hinter die Leinwand. So kann Licht durch die bemalte Folie scheinen, wie bei einer Laterne aus farbigem Papier.

Damit er verschiede Hintergründe zeigen kann, rollt er wie von einer Klopapierrolle während der Vorstellung nach und nach die Folie ab. So können seine Schatten vor unterschiedlichen Hintergründen spielen - und das sogar in Farbe.

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