Luise von Preußen: Schinken und Bier für eine Königin

Königin Luise von Preußen auf einem Ölgemälde. Foto: Jörg P. Anders

Manches, was man sich über sie erzählt, klingt wie ein Märchen. Doch oft verblüffte Königin Luise die Leute und benahm sich gar nicht, wie die es von ihrer Herrscherin erwarteten.

Luise war vor ungefähr 200 Jahren Königin von Preußen. Das war damals ein sehr mächtiger deutscher Staat. Als die 17-jährige Luise Auguste Wilhelmine Amalie von Mecklenburg-Strelitz in einer prunkvollen Kutsche in Berlin einfuhr, säumten jubelnde Menschen die Straßen. Denn obwohl Fernsehen und Radio noch längst nicht erfunden waren, wussten die Leute: Hier kommt unsere zukünftige Königin.

Die Prinzessin war mit ihren Dienern durch halb Deutschland gereist. Von ihrem Heimatort Darmstadt brauchte sie mehrere Tage bis nach Berlin. Dort heiratete sie Friedrich Wilhelm den Dritten, Sohn des preußischen Königs.

Luise hatte Glück: Obwohl sie ihren Bräutigam nicht selbst gewählt hatte, verliebte sie sich in ihn und lebte gern mit ihm zusammen. Luise verbrachte viel Zeit mit ihren Kindern. Wenn sie morgens im Bett die Zeitung las und viele Tassen heiße Schokolade trank, durften die Prinzen und Prinzessinnen in ihrem Schlafzimmer spielen.

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Warum war Luise so beliebt?

Einige Leute im Schloss wunderten sich darüber und warfen der Königin vor, sie sei nicht streng genug. Denn damals war es in den Königshäusern üblich, die Kinder von Erziehern betreuen zu lassen, statt sich selbst um sie zu kümmern.

Wenn die Königin am späten Vormittag aufstand, half ihr eine Zofe beim Ankleiden. Empfing Luise zusammen mit dem König Gäste, dann zog sie festliche Gewänder an. Wenn sie mit ihrer Familie zu Mittag aß oder mit Freunden spazieren ging, reichte ein schlichtes Kleid. Doch auch die einfachen Kleider der Königin waren wertvoll. Denn Luise hatte einen eigenen Schneider, der die Kleider genau nach ihren Wünschen nähte. Jedes Kleid der Königin gab es also nur einmal.

Luise liebte dünne Stoffe in Rosa, Violett oder Weiß. Einige ältere Adelige am Hof rümpften darüber die Nase. Denn diese neumodischen Gewänder waren sehr leicht und man konnte darunter die Umrisse des Körpers erkennen. Das galt damals als eher unanständig.

Doch die Kritik störte Luise wenig. Sie fand ohnehin, dass einige Regeln am Hof ziemlich altmodisch waren. So konnte sie auch den üblichen Tänzen nur wenig abgewinnen. Dabei berührten sich Mann und Frau kaum und umkreisten einander nur mit steifen Schritten. Stattdessen führte Luise den Walzer ein, bei dem sich die Tanzpartner im Arm halten.

Man sagt, Luise sei sehr schön gewesen. Sie selbst fand sich immer ein bisschen zu dünn. Vielleicht aß sie darum so gern Schinken mit Kartoffeln und trank dazu Bier. Schlankheitskuren jedenfalls gab es bei ihr nicht.

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