Lesen als Beruf: Eine Lektorin erzählt

Vom Boden bis zur Decke voller Bücher: Lektorin Gabriele Leja hat viel Lesestoff.

Die Texte, die Gabriele Leja zu lesen bekommt, kennt noch fast niemand. Denn sie ist Verlagslektorin. Sie bestimmt mit, welche Texte es überhaupt als Bücher in die Regale von Buchhandlungen schaffen.

Auf ihrem Schreibtisch stapelt sich Papier. Auf jedem Häufchen liegt ein dicker Stein, damit der Wind bei offenem Fenster die Geschichten nicht durcheinanderwirbelt. "Ich will ja keinen bunten Blätterregen", sagt Gabriele Leja. Sie ist 52 Jahre alt und liest viele Kinderbücher. Denn das ist ihr Beruf: Gabriele Leja arbeitet als Lektorin bei einem Verlag. Dort ist sie für Kinderbücher und Jugendbücher zuständig.

Auch die hohen Regale sind fast völlig bedeckt von Büchern. Das heißt: Eigentlich sind viele von ihnen noch keine richtigen Bücher. Sie haben noch keine Bilder und noch keinen Umschlag. Es sind Stapel von bedrucktem Papier. Jeder Stapel enthält eine andere Geschichte: eine Abenteuergeschichte oder einen Krimi oder eine Liebesgeschichte. Einige sollen später mal ein Buch werden.

In diesem Anfangszustand des Textes spricht man noch von einem Manuskript. Ein Buch wird es erst, wenn der Text veröffentlicht wird. Dafür wird er auf schönerem Papier gedruckt, erhält einen Einband und manchmal auch Bilder.

Nicht jedes Manuskript wird ein Buch

Aber nicht alle Manuskripte auf dem Tisch und in den Regalen werden als Bücher veröffentlicht. Sondern nur die, die Gabriele Leja für außergewöhnlich gut hält. Und wenn sie das begründen kann. Sie meint: "Wenn ich ein Buch meinen Kollegen nicht schmackhaft machen kann, wie sollen die es dann den Buchhändlern verkaufen?" Auf dem langen Weg vom Manuskript zum Buch fängt jetzt die harte Arbeit an. Denn kaum ein Text ist gleich perfekt. "Ich helfe den Autoren dabei, das Beste aus ihren Texten zu machen", erzählt Gabriele Leja.

Dafür muss sie alles genau lesen. Sie will jeden Fehler in dem Manuskript aufspüren. Dazu gehören nicht nur Rechtschreibfehler oder Grammatikfehler. "Ich muss auch überprüfen: Hat eine Person im ganzen Text braune Augen? Oder blinzelt sie plötzlich aus blauen Augen herüber? So etwas darf nicht sein. Ein Text muss inhaltlich stimmen."

Wenn sie einen Fehler findet, greift Gabriele Leja zum Bleistift. Mal ändert sie einzelne Wörter, mal ganze Sätze. Aber natürlich muss der Autor dem noch zustimmen. Immerhin ist es sein Text. Sein Name wird später auf dem Umschlag stehen. Der von Gabriele Leja nicht.

Gabriele Leja sagt dem Autoren auch, wenn sich etwas komisch anhört oder wenn sie eine Stelle langweilig findet. Dann markiert sie im Text die Stellen und schlägt dem Autor vor, noch einmal über den Abschnitt nachzudenken.

In der Zwischenzeit sucht sie jemanden, der zu dem Text die passenden Bilder zeichnet. Dann kümmert sie sich darum, dass die Bücher einen schönen Umschlag bekommen und alles rechtzeitig gedruckt wird. Irgendwann hält sie dann das fertige Buch in der Hand. Zu dem hat sie viel beigetragen.

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