Krötenschleim und Flugsalben: Gab es wirklich Hexen?

Hexen, die ausgelassen ums Feuer tanzen - so haben sich manche Menschen früher die Walpurgisnacht vorgestellt.

Wenn es dunkel wird am Abend vor dem 1. Mai, dann beginnt das wichtigste Fest der Hexen: die Walpurgisnacht. Mit Besen und anderen Fluggeräten reiten sie dann zum Brocken im Harz, dem Blocksberg. Dort spielen sich wilde Szenen ab.

Hexen tanzen ausgelassen, schlemmen hemmungslos und küssen den Teufel auf den nackten Hintern. Ihre Besen haben sie vorher mit einer Flugsalbe aus gruseligen Sachen wie Spinnenbeinen und Salamandern eingerieben.

Ob das wirklich wahr ist? Nein! Aber so haben sich manche Menschen früher die Walpurgisnacht vorgestellt. Zum Schutz vor Hexen und bösen Geistern zündeten sie in dieser Nacht Feuer an, läuteten Kirchenglocken oder versprühten Weihwasser. Heute wissen wir: "Es gibt keine Hexen - und es hat auch nie welche gegeben. Hexen sind nur Fantasievorstellungen", sagt Hexen-Expertin Cathérine Biasini.

Schon vor Tausenden Jahren glaubten die Menschen an rätselhafte Wesen wie Hexen oder Geister, die Schabernack treiben. Viel später begann dann bei uns eine Zeit, in der Hexen als enorm bedrohlich empfunden wurden und Menschen sogar als Hexen verfolgt wurden.

Richtig schlimm war die Hexenjagd vor ungefähr 400 Jahren. Damals wütete in Europa ein schlimmer Krieg. Er dauerte 30 Jahre. Die Menschen waren sehr verunsichert. Hinzu kam, dass es um diese Zeit kälter war als sonst. Die Sommer waren kurz und es gab viele schlechte Ernten. Der Krieg, Seuchen, Hungersnöte - all das machte den Menschen Angst.

Und wer Angst hat, sucht oft nach einem Sündenbock für die schlechten Sachen, die ihm passieren. Damals fanden die Leute diese Sündenböcke in Menschen, die nicht so richtig zu ihrer Gemeinschaft gehörten, zum Beispiel in alten und alleinstehenden Frauen. Auch Frauen, die besonders weise waren oder auffällig aussahen - zum Beispiel rote Haare hatten -, konnten schnell in Verdacht geraten.

"Es konnte jede Frau treffen und keine von ihnen hatte besondere Fähigkeiten oder konnte sich eine Flugsalbe anrühren", sagt die Expertin. Zum Beispiel beschuldigten damals neidische Nachbarn ganz normale Frauen, Hexen zu sein. Wenn sie Pech hatten, wurden sie vor Gericht gestellt und gefoltert. Einige Tausend wurden danach auf dem Scheiterhaufen verbrannt, erhängt oder enthauptet.

Diese furchtbare Hexenjagd dauerte einige Jahrzehnte. Als es den Menschen wieder besserging, wurden immer weniger Menschen als Hexen verfolgt. Vor etwa 230 Jahren - im Jahr 1782 - musste die letzte Frau sterben, weil sie eine Hexe gewesen sein soll. Es war ein Schweizer Dienstmädchen.

Kommentare