Korallen: Bunte Baumeister in Meeren

Viele Korallen sind bräunlich-grün, andere hingegen leuchten lila oder rosa.

Welche Farbe hat das Meer? Blau, werden jetzt die meisten sagen. Oder vielleicht: durchsichtig - wie Wasser halt. Aber tatsächlich sind die Ozeane an manchen Stellen schön bunt.

Um genau zu sein: dort, wo sich Korallenriffe befinden. An diesen Orten wimmelt es oft von roten Krebsen, gelb-blauen Fischen, schillernden Muscheln, grellbunten Schnecken und natürlich den Korallen selbst. Viele von ihnen sind bräunlich-grün, andere hingegen leuchten lila oder rosa. Wie bunte Blumenbeete erstrecken sie sich auf dem Meeresgrund.

Wegen ihrer Farbenpracht werden Korallen auch Blumentiere genannt. Aber was sind Korallen genau?

Viele glauben, dass es Steine sind oder Pflanzen. Tatsächlich sind es aber Tiere. Um genau zu sein, Nesseltiere, also entfernte Verwandte von Quallen. "Einige von ihnen, etwa Feuerkorallen, brennen genau wie Quallen auf der Haut, wenn man sie berührt", sagt der Biologe Helmut Schuhmacher. Er erforscht seit mehr als 40 Jahren diese Tiere. "Aber die meisten von ihnen sind harmlos."

Es gibt zahlreiche Arten von Korallen. Zum Beispiel kennen Fachleute allein mehrere Hundert Steinkorallen. Das sind die Tiere, die die Riffe in Meeren bilden. Wie das funktioniert? Die Korallentiere bestehen vorwiegend aus Wasser und sind glibberig wie Gelatine. Sie werden Polypen genannt.

Diese können sich ab einer bestimmten Größe teilen. Die neu entstandenen Polypen teilen sich wiederum auch - und so entstehen ganze Kolonien.

Außerdem scheiden die Polypen Kalk aus. Auf diese Weise bilden sich drumherum feste Kalkskelette, durch die die Polypen besser geschützt sind. Und weil Polypen regelmäßig Kalk abgeben, wachsen diese Gebilde im Laufe der Jahre, vor allem in die Höhe. Hinzu kommt, dass Steinkorallen-Kolonien nicht vereinzelt auftreten, sondern in Gesellschaft von vielen anderen. So bilden sich riesige, zum Teil bizarr geformte Kalkgebirge - die Korallenriffe.

Irre groß: Das Große Barriereriff

Das Große Barriereriff ist das größte Korallenriff der Welt. Im Englischen wird es Great Barrier Reef genannt. Das Riff ist im Laufe vieler Millionen Jahre entstanden.

"Es ist das mächtigste Bauwerk, das je von Lebewesen geschaffen worden ist", sagt der Biologe und Korallenexperte Helmut Schuhmacher. Das Mega-Riff liegt vor der Nordostküste Australiens. Es erstreckt sich über eine Länge von rund 2000 Kilometer. Das ist etwa so weit wie von Hamburg in Deutschland bis nach Madrid in Spanien.

Hinzu kommt, dass das Riff noch sehr viele Kilometer breit ins Meer hineinragt. Dadurch hat es eine immens große Fläche - größer als so manches Land! Es ist sogar so groß, dass man es selbst aus dem Weltall erkennen kann.

Es gibt nichts Schöneres, als Korallen zu bewundern

An ein Korallenriff tauchen und Tiere und Pflanzen beobachten: Das machen viele Menschen gern. Helmut Schuhmacher beschäftigt sich aber nicht nur in seiner Freizeit mit Korallen. Er forscht seit mehr als 40 Jahren zu dem Thema. Wie es dazu kam und welches sein Lieblingsriff ist, erzählte der Biologe in einem Interview.

Wann haben Sie zum ersten Mal gedacht: Ich will Korallenexperte werden?

Helmut Schuhmacher: "Als Kind - ich war vielleicht sieben Jahre alt - habe ich mit meinem Vater einen Vortrag von Hans Hass besucht. Dieser berühmte Meeresforscher und Tauchpionier hat so faszinierend von der Unterwasserwelt geredet, dass ich mir sagte: Das möchte ich eines Tages auch machen."

Wann konnten Sie diesen Traum verwirklichen?

Helmut Schuhmacher: "Als Student. Ich habe Biologie studiert und dabei auch Tauchen gelernt. Nach dem Studium habe ich zum ersten Mal ein Korallenriff besucht. Das war im Roten Meer, vor der Küste Israels, - und es war Liebe auf den ersten Blick. Ich muss allerdings zugeben, dass ich zunächst von den vielen, vielen bunten Fischen, die sich dort tummelten, fasziniert war. Erst dann habe ich mich auf die Korallen konzentriert."

Haben Sie ein Lieblingsriff?

Helmut Schuhmacher: "Mein Lieblingsriff ist das Sanganeb-Atoll im Roten Meer vor der Küste des Sudans. Ich habe dort viele Wochen lang auf einem Leuchtturm gelebt und konnte Tag und Nacht ins Riff abtauchen. Das war eine unvergleichliche Erfahrung. Ich bin froh, dass ich so viel tauchen und vor Ort forschen konnte. Viele junge Forscher müssen ihre Arbeit in Labors ableisten. Dabei gibt es nichts Schöneres, als in den Riffen selbst die Lebensgewohnheiten der Korallen und anderen Bewohner zu erkunden und zu bewundern."

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