Klasse Unternehmen: Schüler gründen eine Firma

Ein tolles Team, ein stolzer Lehrer!

Auch Schüler können ein Unternehmen gründen. Zum Beispiel eins, das magnetische Bilderrahmen herstellt. Das haben einige Schüler in Norddeutschland getan. Sie haben ihr Klassenzimmer in eine richtige kleine Firma verwandelt.

Die beiden Chefs Fenja und Lennard stecken tuschelnd die Köpfe zusammen. Sie wollen die Marketingleute nicht stören und in der Technik ist auch gerade Stress angesagt: Der Internetladen muss programmiert werden. Deshalb flüstern die Chefs. Denn die ganze Firma sitzt in einem Raum: im Klassenzimmer der 12b. Die Mitarbeiter der Schülerfirma "Picture Proofies" gehen auf die Johann-Comenius-Schule Thesdorf bei Hamburg.

Im Wirtschaftsunterricht und Politikunterricht haben die Schüler ihre Geschäftsidee entwickelt. Ihre Firma stellt kleine magnetische Bilderrahmen her, die am Kühlschrank oder an der Heizung haften.

"In unserem Webshop im Internet kann jeder Kunde seinen Bilderrahmen ganz persönlich gestalten: die Form, die Farbe und die Verzierungen, zum Beispiel mit Schmucksteinen", erklärt die 19 Jahre alte Fenja Heitmann. Noch funktioniert der Internetladen nicht. Doch alle arbeiten mit Hochdruck an den ersten Bestellungen von Eltern und Freunde, die gern einen magnetischen Rahmen haben möchten.

Jeder in der Firma hat seine Aufgabe: Die Leute vom Einkauf bestellen Farbe und Material, die Marketingabteilung entwirft und bemalt die Rahmen, die Techniker programmieren, die Verwaltungsleute kümmern sich um wichtige Dokumente. Und die Finanzabteilung passt auf, dass die Firma nicht zu viel Geld ausgibt. Die Chefs im Vorstand planen und verteilen die Aufgaben. "Und wir sind echt ein super Team!", findet Fenja.

Sie werden von ihrem Lehrer Wolfgang Ranniger-Ringel unterstützt. "Die Schüler zeigen, dass sie Dinge beherrschen, die in Firmen wichtig sind: Disziplin, Zuverlässigkeit, Gruppenarbeit. Also nicht nur den reinen Schulstoff. Ich bin stolz auf meine Schüler", meint der 58-Jährige. Er hat selbst als Computerexperte und Berater gearbeitet und kennt deswegen die Arbeit in der Wirtschaft.

Dass zu einer Firmengründung Krisen gehören, haben die Schüler selbst erlebt: Zuerst wollten die Magnete nicht halten und der Kleber machte Probleme. Aber sie haben sich nicht unterkriegen lassen.

Und Lennard Eccarius weiß nun, was er später mal machen möchte: "Ich möchte eine Aufgabe übernehmen, bei der ich Verantwortung trage", sagt der 17-Jährige. Das tut er auch gerade in der Schülerfirma: Er ist im Vorstand - also in der Chefabteilung. Nach der Schule möchte er Wirtschaft oder Politik studieren.

Fenja möchte vielleicht Journalistin werden. Aber erst mal machen die Schüler Abitur. Und fertigen die bestellten Bilderrahmen an. Schließlich soll die Schülerfirma "Picture Proofies" ein erfolgreiches Unternehmen werden.

Wie gründe ich eine Schülerfirma?

Es gibt verschiedene Wege, wie man eine Schülerfirma gründen kann. Man kann zum Beispiel bei JUNIOR mitmachen - wie die Schüler von der Johann-Comenius-Schule Thesdorf.

JUNIOR ist ein Programm, das von einem Wirtschaftsinstitut in Köln gestartet wurde. Es soll Schülern helfen zu lernen, wie man sich selbstständig macht. So nennt man das, wenn man eine Firma gründet.

 

 

Die Leute von JUNIOR nehmen Projekte von Schülern ab der neunten Klasse an. Das Programm JUNIOR Kompakt gibt es schon ab der siebten Klasse. Wenn ihr mitmachen wollt, müsst ihr mindestens acht Schüler sein und von einem Lehrer unterstützt werden. 

Und ihr braucht eine gute Geschäftsidee.

Etwa sechs Wochen nach den Sommerferien muss eure Idee bei JUNIOR vorliegen. "Wir prüfen sie daraufhin, ob sie sicher und geschäftsfähig ist", erklärt Sabine Montua von JUNIOR. Und es wird geschaut, ob es rechtliche Probleme geben könnte. Also ob zum Beispiel der Name eurer Firma schon vergeben ist.

Wenn alles okay ist, bekommt ihr einen Block mit 90 Anteilsgutscheinen zugeschickt. Bei richtigen Firmen nennt man das Aktien. Das sind so etwas wie Urkunden, die für einen Teil der Firma stehen. Jeder Teilnehmer kauft einen der Gutscheine im Wert von 10 Euro. Die restlichen Anteile an eurer Firma verkauft ihr, zum Beispiel an eure Eltern. Wenn ihr alle loswerdet, habt ihr für den Start schon mal 900 Euro in eurer Firmenkasse. 

Ihr entscheidet selbst, wer welche Stelle in der Firma einnimmt. Dann verkauft ihr euer Produkt. Am Ende des Schuljahres wird das Unternehmen aufgelöst. Wenn ihr Gewinn gemacht habt, bekommen eure Aktionäre etwas davon ab - also die Leute, die einen Anteil an eurer Firma gekauft haben. Wenn ihr Verlust gemacht habt, ist das Geld weg...

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