Zum Kicken übers Wasser: Leben auf einer Insel

Jürgen Dannemann lebt mit seiner Familie auf Borkum, einer Insel vor der Nordseeküste.

Rundherum nur Wasser: Inseln liegen oft mitten im Meer, ohne direkte Verbindung zum Festland. Damit ist auch das Leben dort anders. Schnell mal wegfahren - das geht meist nicht.

Um wegzukommen muss man eine Fähre nehmen oder in ein Flugzeug steigen. Fast jeder Weg aufs Festland dauert daher ziemlich lange und kostet Geld.

Jürgen Dannemann schwärmt trotzdem vom Leben auf der Insel. Der 42-Jährige lebt mit seiner Familie auf Borkum, einer Insel vor der Nordseeküste. "Es ist vieles normaler, als man so denkt", erzählt er. "Wir Insulaner sind ja keine Eingeborenen, sondern leben so wie andere auch. Wir sind im Winter nicht von der Außenwelt abgeschnitten, und wir essen auch nicht jeden Tag Fisch."

Trotzdem funktionieren ein paar Dinge anders, wenn man auf einer Insel wohnt. Man kann auf Borkum zum Beispiel kein Abitur machen. Ein Gymnasium gibt es nämlich nicht. Und wenn man in einem Verein Fußball spielt, kann man ganz schön viel unterwegs sein.

Das kennt Jürgen Dannemann. Er ist Sportwart beim Verein TuS Borkum. Dort kicken auch junge Fußballer von der G-Jugend bis zur A-Jugend - und sie müssen zu den Punktspielen auch aufs Festland. Dann klingelt bei ihnen schon früh der Wecker. Schließlich müssen die Kicker oft um 7.15 Uhr den Katamaran erwischen. Das ist eine sehr schnelle Fähre. Am Hafen auf dem Festland wartet ein Bus, der die jungen Fußballer zum Spiel bringt. Meist sind sie erst am Nachmittag wieder zu Hause auf Borkum.

Diese Fahrten kosten viel Geld. Rund 40 000 Euro gibt der TuS Borkum jedes Jahr für das Hin- und Herfahren seiner Sportler aus, berichtet Jürgen Dannemann. 40 000 Euro - davon könnten viele Leute jahrelang ihre Miete zahlen! Auch die Gastmannschaften müssen viel Fahrgeld berappen, wenn sie auf Borkum spielen.

Manchmal werden die Borkumer Kicker aber mit etwas ganz Besonderem entschädigt: Dann schlägt ein Bundesliga-Team auf der Insel sein Lager auf. Die Fußballstars trainieren dann dort, wo normalerweise der TuS Borkum kickt. Und fast immer sind sie bereit zu einem Freundschaftsspiel gegen den Verein.

In diesem Jahr kickte die Borkumer 1. Herrenmannschaft daher gegen den FC Schalke 04. Die Kinder und Jugendlichen von Borkum feuerten ihre Inselmannschaft an. Die verlor zwar klar. Doch das fand kaum einer wirklich schlimm - die Inselbewohner freuten sich über die prominenten Kicker.

Wo gehen Inselkinder zur Schule?

Auch auf Inseln müssen Kinder zur Schule gehen - logisch. Das ist oft kein Problem, denn viele Inseln haben Schulen. Auf der Insel Borkum beispielsweise reicht das aber nicht für alle Kinder, dort kann man nämlich kein Abitur machen.

Die Schule geht auf Borkum nur zehn Jahre, also bis zum Realschulabschluss. Inselkinder, die aufs Gymnasium wollen, müssen daher mit ungefähr 16 Jahren aufs Festland ziehen. Sie wohnen dann häufig in einem Internat an der Küste.

Die James Krüss Schule auf der Insel Helgoland hat deshalb einen Plan: Dort sollen Computer in jedem Unterrichtsraum aufgestellt werden. So können Kinder leichter übers Internet lernen. eLearning nennt man das. 

Damit sollen sich Mädchen und Jungen unter anderem auf das Gymnasium vorbereiten. eLearning hat einige Vorteile, findet der Bürgermeister von Helgoland, Frank Botter. Er sagt zum Beispiel: Oft haben Inseln nicht so viele Lehrer, dass sie alle Fächer anbieten können. Über das Internet können Lehrer vom Festland aushelfen.

Fliegenden Ärzte für entfernte Inseln

Auf vielen Inseln gibt es einen oder mehrere Ärzte. Sie helfen, wenn die Bewohner krank werden. Häufig ist auch ein Zahnarzt da. Aber was ist mit Spezialisten wie einem Kieferorthopäden für die Zahnspange? Für solche Fälle hat zum Beispiel die Insel Helgoland fliegende Ärzte.

Von Helgoland bis zur Stadt Cuxhaven an der Küste braucht ein Schiff meist mehr als zwei Stunden. Das ist ein ganz schön langer Weg für den Arztbesuch. Darum kommen einige Spezialärzte vom Festland etwa einmal im Monat für einen Tag mit dem Flugzeug angeflogen. Sie behandeln dann die Insulaner. Wer will, kann sich natürlich trotzdem seinen eigenen Arzt auf dem Festland suchen.

Auf Inseln, die näher an der Küste liegen, ist das etwas einfacher. Wer einen Spezialisten braucht, kann meist schneller mit der Fähre ans Festland fahren.

Auf Wangerooge sind Autos verboten

Auf der Insel Wangerooge sind Autos verboten. Und nicht nur dort. Auch andere Inseln vor der Nordseeküste sind autofrei. Viele Leute sagen: Das ist gut, denn es ist besser für die Natur. Außerdem ist die Insel sehr klein. Man braucht nur selten ein Auto.

Also schwingen sich viele Bewohner und Gäste aufs Fahrrad oder gehen zu Fuß. Auch Postboten und Ärzte. Selbst die Polizei tritt in die Pedale. Und wenn Lebensmittel oder große Geräte transportiert werden müssen, gibt es Elektrokarren. Sie sind sehr leise und sollen ziemlich umweltfreundlich sein. Schwieriger ist es dagegen für ältere oder kranke Menschen, die nicht mehr so gut gehen oder mit dem Rad fahren können.

Einige Inselbewohner haben ein Auto auf dem Festland. Das steht zum Beispiel in einer gemieteten Garage. Wer dort mit der Fähre ankommt und schnell weiter muss, kann dann sofort losbrausen.

Kommentare