In der Kanalisation: Modder, Mief und frischer Duft

Hier unten im Abwasserkanal - im Siel - ist es stockdunkel. Und oft muffig, matschig und nass.

Platsch! Mit seinem letzten Schritt landet Hans-Joachim Hoch in einem kleinen Fluss von gräulich-grünem Wasser. Jetzt ist er angekommen an seinem Arbeitsplatz - tief unter den Straßen von Hamburg, mitten in der Kanalisation.

Hier unten in den Sielen fließt es zusammen: das Spülwasser aus den Toiletten, den Duschen und Badewannen der Stadt. Aber auch das Regenwasser, das sich oben in den Straßen sammelt. Schön eklig? Schön spannend!

Heute regnet es nicht, sondern es ist ein schöner, sonniger Herbsttag. Zumindest da oben. Hier unten im Abwasserkanal - im Siel - ist es stockdunkel. Nur die kleine Lampe am Helm von Hans-Joachim Hoch beleuchtet die roten Backsteinwände.

Dumpfes Grollen schallt durch die Kanalisation. Das kommt von den vielen Autos, die über dem Siel durch die Straße rollen. Ein moderiger Geruch steigt in die Nase. „Wie in einem feuchten Keller“, findet der Experte. Dabei hat seine Stimme ein Echo, als würde er in den Bergen stehen.

Dieses Siel ist groß und dient nur als Verbindung zwischen den kleineren Haushaltssielen. Deshalb fließt hier auch kein Wasser aus den Toiletten und es riecht auch nicht danach. Trotzdem duftet es nicht gerade wie auf einer Blumenwiese. „Als ich vor dreißig Jahren mit dem Job begonnen habe, dachte ich schon: Ob ich das aushalte? Aber es geht“, erzählt Hans-Joachim Hoch.

Die Arbeit kann beginnen. Hoch und seine Kollegen wollen das Siel vermessen. Damit sie wissen, wie sie hier ihre großen Putzmaschinen am besten einsetzen können. Damit das Wasser in der Kanalisation ordentlich abfließt, müssen die Siele regelmäßig gesäubert werden. Sonst verstopfen sie und die Brühe würde oben auf die Straße laufen. „Ich sehe das so“, sagt Hoch, „Oben werden die Häuserwände gereinigt, die Fenster geputzt - und wir machen Hamburg von unten sauber.“

Wie viel Dreck sich in der Kanalisation sammelt, merkt Hoch unter seinen Füßen. Der 52-Jährige möchte ein paar Schritte durch das Wasser machen, das ihm bis an die Wade reicht. Aber das ist gar nicht so leicht! Seine Füße versinken im Modder unter der Wasseroberfläche. Es fühlt sich an, als würde man durch weichen, nassen Sand am Meer laufen.

Seine Füße stecken so fest, dass er sie mit Wucht nach oben ziehen muss, um sie aus dem Matsch zu befreien. „Manch ein Kollege hat schon so festgesteckt, dass er seine Gummistiefel einfach dagelassen hat und ohne nach oben zurückgekommen ist.“

Wer in dem dunklen Matsch wühlt, kann hier unten alles Mögliche finden. Geld, Handys, Gebisse. Bei vielen Sachen wundern sich Hoch und seine Kollegen, wie die hier heruntergeraten sind. „Eine Frau hat schon mal ganz aufgeregt bei uns angerufen, weil sie aus Versehen ihren Ehering die Toilette hinuntergespült hatte. Den haben wir aber leider nicht wiedergefunden“, erzählt Hoch.

Manchmal sieht er hier unten auch Ratten. Hunderttausende leben in der Kanalisation. „Aber sie sind sehr scheu.“ Dass es den kleinen Nagern in den Sielen so gut geht, wundert Hoch nicht. „An manchen Stellen finden die Tiere ein richtiges Menü wie im Restaurant. Da spülen die Leute Kartoffeln, Nudeln, Fleisch, ganze Hähnchengerippe die Toilette hinunter und die Ratten freuen sich.“ Auch Kakerlaken gibt es in der Kanalisation, „aber nur da, wo es warm ist. Wenn zum Beispiel neben dem Siel ein Heizungsrohr verläuft.“

Aber manchmal wird es in den dunklen Tunneln unter der Erde auch richtig gemütlich. „Wenn die Hausfrauen vormittags so gegen zehn, elf ihre Wäsche machen, riecht es hier unten plötzlich ganz frisch nach Waschmittel. Das ist toll“, schwärmt Hoch.

Halbzeit - Alle zum Klo!

Mann, ist das Fußballspiel spannend! Und endlich ist Halbzeit, um schnell aufs Klo zu verschwinden. Wenn der Schiri zur Halbzeit pfeift, bekommen das auch die Wasserwerke zu spüren.

Wasserwerke sorgen zum Beispiel dafür, dass genug Wasser bei den Leuten aus dem Hahn und aus der Klospülung sprudelt.

Die Wasserwerke in jedem Ort können messen: Wie viel Wasser verbrauchen die Einwohner jeden Tag in der Küche oder im Bad - und zu welcher Zeit am meisten?

Auffällig wird es, wenn im Fernsehen zum Beispiel ein richtig wichtiges Fußballspiel läuft. Das berichten auch die Hamburger Wasserbetriebe. Viele Zuschauer warten bis zur Halbzeitpause oder bis zum Schlusspfiff und gehen dann auf die Toilette - und drücken danach die Spülung. In dieser Zeit ist der Wasserverbrauch der ganzen Stadt besonders hoch. Und während die Partie läuft, ist er eher niedrig.

Kanalarbeiter werden für‘s Waschen bezahlt

Wer in der Kanalisation arbeitet, hat es mit viel Modder und Dreck zu tun. Deswegen ist es wichtig, dass sich alle Arbeiter zum Feierabend kräftig und lange waschen.

"Zwanzig Minuten Waschzeit bekommen wir sogar bezahlt", erklärt der Hamburger Siel-Arbeiter Hans-Joachim Hoch. Schließlich sollen sie sauber von der Arbeit nach Hause kommen und keine Krankheitskeime mitschleppen.

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