Immer im Kreis herum: Wo der Regen herkommt

Die Grane Talsperre bei Goslar im Harz. Aus Talsperren, Seen und Flüssen kommt ein Teil unseres Trinkwassers.

Wenn man einen Eimer Wasser draußen auskippt, fließt der Inhalt meist schnell weg. In den Boden oder in die Abwasserrohre. Aber ist das Wasser damit ganz weg? Und wieso kommt von oben feuchter Nachschub als Regen?

Es gibt Fachleute, die sich mit Wasser gut auskennen. So einer ist Michael Kleyer. Er ist Professor für Umwelt-Wissen an der Universität Oldenburg in Niedersachsen. Er erzählt, wie das Wasser im Boden mit dem Wasser vom Himmel zusammenhängt.

Bei uns regnet es ganz schön oft. Wo bleibt das ganze Wasser?

Michael Kleyer: "Ein Teil des Wassers verdunstet wieder. Es wird zu Dampf, zu Wasserdampf. Der größere Teil versickert aber im Boden."

Und was passiert dort mit dem Regen?

Michael Kleyer: "Der Boden selbst ist meistens nur ein oder zwei Meter dick. Darunter beginnt eine Gesteinsschicht - oder auch eine Sandschicht. Und darin versickert das Wasser und gelangt immer tiefer."

Bleibt das Wasser dann so, wie es ist?

Michael Kleyer: "Das Wasser löst Stoffe aus dem Stein heraus, die sogenannten Mineralien. Aber es bleiben auch Stoffe aus dem Wasser im Gestein hängen. Wenn das Wasser schmutzig ist, wirken die Gesteinsschichten wie eine Art Kaffeefilter und halten den Schmutz zurück. Das Wasser kommt dann in einer Quelle wieder aus dem Boden heraus."

Jetzt wissen wir, wo der Regen hinfließt. Aber wo kommt er her?

Michael Kleyer: "Das ist ein Kreislauf: Aus der Quelle entsteht ein kleines Bächlein. Und viele kleine Bäche fließen zu einem größeren Bach zusammen, der in einen Fluss mündet. Die Flüsse transportieren dann das gesamte Wasser in die Ozeane. Dort scheint die Sonne auf die Wasseroberfläche, das Wasser wird warm und es entsteht Wasserdampf."

Bleibt der Dampf dann über dem Wasser stehen?

Michael Kleyer: "Der Wasserdampf steigt nach oben. Und irgendwann erreicht er höhere Luftschichten. Dort ist es kälter - und es bilden sich aus dem Wasserdampf wieder Wassertröpfchen. Das sind unsere Wolken. Der Wind treibt die Wolken Richtung Land."

Und irgendwann gibt's Regen?

Michael Kleyer: "Ein Beispiel: Weil das Land meistens etwas höher ist als das Meer, muss die Luft aufsteigen. Die Wolken werden weiter nach oben gedrückt und erreichen noch kältere Regionen. Die Wassertropfen werden immer größer, bis sie nicht mehr schweben können und zu Boden fallen. Es regnet. So gelangt das Wasser vom Meer zum Land und über die Flüsse und Bäche wieder zurück ins Meer. Das nennt man den Wasserkreislauf."

Hintergrund: Auch Schmutzwasser gehört zum Kreislauf

Wasser brauchen wir dringend zum Leben. Und zwar sauberes Wasser. Wir benötigen es für alles Mögliche: zum Trinken, Kochen, Duschen und Wäschewaschen. Wird das Wasser auf der Erde dann nicht immer weniger? "Wir brauchen das Wasser zum Leben, aber wir verbrauchen es nicht", sagt der Fachmann Michael Kleyer. "Es geht wieder in den Wasserkreislauf ein. Es verschwindet nicht, sondern wird bloß verschmutzt." Und das ist tatsächlich ein großes Problem. "Darum sollten wir sehr sparsam mit Waschmitteln umgehen. Denn die sind besonders schwer aus dem Wasser zu entfernen", erläutert der Fachmann. Und auch andere Stoffe, die das Wasser doll verschmutzen - etwa viele Chemikalien - dürfen nicht einfach weggekippt werden.

Hintergrund: Wie lange bleibt Wasser im Boden?

Wusstest du, dass Regenwasser manchmal ganz, ganz lange im Boden bleibt? Unter dem Erdboden liegen nämlich unterschiedliche Schichten. Und da muss Wasser, das versickert, durch. Und das geht manchmal schneller und manchmal langsamer.

Im Gebirge sickert das Wasser eher durch Steinschichten. Dort tropft es langsam durch Felsspalten und Klüfte. In flacheren Landschaften, zum Beispiel in Norddeutschland, gibt es viele Sandschichten oder Kiesschichten. Das Wasser kann dort prima hindurch sickern - kleine Schmutzteilchen bleiben im Sand hängen.

So kann es hundert Jahre dauern, bis Regenwasser in einer Quelle wieder aus dem Boden herauskommt. Der Schmutz hat dann viel Zeit, sich in den Gesteinsschichten abzusetzen.

Manchmal staut sich Wasser auch irgendwo tief unten auf und steht dort sogar Tausende von Jahren.

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