Der große Streit um den Schulwechsel

Für viele Schüler steht nach der 4. Klasse ein Wechsel an: Hauptschule, Realschule oder doch aufs Gymnasium?

Jeder sagt was anderes: In Deutschland wird weiter heftig darüber diskutiert, welche Schule für die Kinder gut ist.

Es gibt Zeugnisse! Und die sind für viele Schüler etwa in den 4. Klassen besonders wichtig. Davon hängt oft stark ab, auf welche Schule sie nach den Sommerferien wechseln.

Auch für Ältere geht's oft um ähnliche Fragen. Die mit den guten Noten gehen meist aufs Gymnasium. Die Mittelguten steuern Richtung Realschule. Wer schlechtere Zensuren hat, soll oft zur Hauptschule. Und es gibt noch andere Schulformen. Das ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. Nur eins ist fast überall gleich: Es gibt gerade heftigen Streit um das Thema. Politiker, Fachleute und Eltern reden sich die Köpfe heiß.

"So wie das jetzt läuft, ist es sehr ungerecht", sagt etwa die Schulexpertin Marianne Demmer. "Der Wechsel kommt viel zu früh. Bei vielen weiß man in der 4. Klasse noch gar nicht, wie viel sie lernen können und möchten", sagt sie. "Wer auf die Hauptschule soll, denkt unter Umständen auch, dass er dumm ist. Er traut sich nichts mehr zu und lernt schlecht - obwohl er es vielleicht besser könnte", sagt sie.

Außerdem hätten Kinder aus ärmeren Familien oft schlechtere Chancen, aufs Gymnasium zu kommen. "Auch wenn sie genauso gut lernen, bekommen sie von den Lehrern oft nicht die Empfehlung dafür. Viele Lehrer denken, dass das Kind dort schlecht klarkommt, weil die Eltern ihm nicht helfen und keine Nachhilfe bezahlen können", sagt Marianne Demmer. Zum Gymnasium gehen auch deshalb besonders viele Schüler, deren Eltern gute Jobs haben, die gut verdienen und sich viel um ihre Kinder kümmern.

Marianne Demmer fordert: Es muss lange eine Schule für alle geben. Die Schüler sollten neun oder zehn Jahre zusammen lernen, so wie in anderen Ländern auch. "Das ist für die schwächeren Schüler gut und auch für die, die leicht lernen", meint sie.

Aber gerade daran glauben viele andere nicht, zum Beispiel der Experte Heinz-Peter Meidinger. Er setzt sich dafür ein, dass gute Schüler nach der 4. Klasse auf ein Gymnasium wechseln. "Diese Schulform ist ziemlich einzigartig in der Welt und erfolgreich", meint er.

Er sagt auch: Hauptschüler fühlen sich in einer gemischten Klasse oft nicht wohl. "Wer immer andere vor der Nase hat, die besser sind, leidet darunter. Das Ideale wäre für mich, wenn jeder Schüler einen eigenen Lehrer und eine eigene Schule hätte, weil eben jeder Schüler anders ist und anders lernt. Das ist ja nun kaum möglich. Deshalb bin ich aber dafür, dass die Schüler mit einem ähnlichen Lerntempo Gruppen bilden. Dann können die Lehrer am besten auf die einzelnen Schüler eingehen", sagt der Fachmann. Und was meinst Du?

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