Vom Granulat zum Helm: Wie ein Lego-Polizist entsteht

Ein Roboter sammelt volle Kisten mit Legosteinen ein.

Egal ob Polizist, Rennfahrer oder Bauarbeiter - alle Lego-Männchen haben irgendwann klein angefangen: als Kügelchen aus Plastik. Fachleute sagen dazu Granulat.

Die Kügelchen sind etwas größer als Reiskörner. Auf Lastwagen kommen sie nach Billund in Dänemark. Hier steht die wichtigste Fabrik von Lego. Das Granulat, das sie an einem einzigen Tag verschluckt, wiegt so viel wie etwa zehn Elefanten - rund 60 Tonnen.

Das Granulat wird in die Fabrik gebracht oder in Silos geschüttet. Silos sind Speicher, die ein bisschen aussehen wie hausgroße Tonnen. Hier drin und in großen Kisten schlummern die Kügelchen, bis - "Achtung, Achtung, wir brauchen neue Lego-Polizisten!" - jemand den Befehl gibt, dass es losgeht.

Polizisten, hm... Dafür braucht man auf jeden Fall gelbes Plastik für Kopf und Hände. Und weißes für den Helm und schwarzes für die Uniform. Oft werden verschieden bunte Kügelchen gemischt, damit die richtige Farbe herauskommt, wie im Malkasten. Dann wird das Granulat aufgesaugt. Es fließt wie eine Flüssigkeit durch ein Labyrinth aus Röhren an den Wänden und Decken der Fabrik.

Bis in die Spritzgussmaschine. In dem Namen stecken die Wörter "spritzen" und "gießen" - und schon wisst ihr, was so eine gigantische Maschine tut. Die Kügelchen werden erhitzt, bis sie so weich und zäh sind wie Zahnpasta. Dann wird die Masse mit einer Wahnsinnskraft in Metallblöcke gedrückt. Die haben innen Hohlräume, die zum Beispiel geformt sind wie die Köpfe von Lego-Polizisten.

Danach darf das Plastik ein paar Sekunden abkühlen. Die Form öffnet sich, die lauwarmen Lego-Köpfe fallen auf ein Fließband und dann in eine Kiste - und schon kommt die nächste Ladung. Eine Maschine kann viele Teile auf einmal herstellen. Und in den Hallen in Billund stehen mehr als 750 Maschinen. Das heißt: In der Fabrik können in einer einzigen Minute etwa 36 000 neue Lego-Teile entstehen.

Ist eine Kiste voll, leuchtet über ihr eine orangefarbene Lampe auf. Hoppla, Platz da! Schon fährt ein großer Roboter heran. Er sieht aus wie ein Ding zwischen Rollstuhl und Einkaufswagen. Mit seinem Greifarm packt er gemächlich die Kiste und rollt mit ihr fort...

Ach, hier ist sie gelandet! Ins Lager passen 424 000 Kisten. Die Regale ragen bis unter die Decke, so hoch wie ein mehrstöckiges Haus. Doch hier sollen die gelben Köpfe nicht allzu lange bleiben. Sie brauchen schließlich noch Augen und Münder.

Kladackdip, kladackdip ... Gummistempel pressen Farbe auf die Köpfe. Vollautomatisch und superschnell. Nebenan sind die Oberkörper dran. Klickedacke, klickedacke ... Kragen, Taschen und Knöpfe werden hier draufgedruckt. Menschen werden fast nur gebraucht, um die Druckmaschinen zu putzen und zu warten. Und um zu schauen, ob die Augen auch an der richtigen Stelle landen.

Noch eine riesige Betonhalle, noch mehr Maschinen. Hier werden die Teile sortiert. Durch einen Trichter fallen sieben Köpfe in eine Box auf einem Fließband. Durch den nächsten Trichter rattern die Oberkörper, danach kommen Teile für die Polizeistation, die Streifenwagen und das Motorrad. Die Box wird automatisch gewogen. Sind auch nicht zu wenige Teile darin? Dann schwups in eine Tüte, danach in einen Karton - und ab ins Geschäft.

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