Gewerkschaften: In der Gruppe stärker als allein

In einer Gewerkschaft kann ein Arbeiter sich leichter durchsetzen, als im Alleingang.

Die Gewerkschaft fordert mehr Geld! Sätze wie dieser stehen öfter mal in Zeitungen. Auch gerade wieder. Denn die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer will zum Beispiel erreichen, dass alle Lokführer das Gleiche verdienen - egal, bei welcher Firma sie arbeiten.

Die Bahn-Chefs finden die Forderungen zu hoch. Deshalb gibt es Zoff und Streiks. Doch was ist eigentlich eine Gewerkschaft? Und warum gibt es Leute, die mit deren Aktionen gar nicht einverstanden sind? Hier sind ein paar Antworten:

Warum gibt es Gewerkschaften?

Einzelne Mitarbeiter trauen sich vielleicht nicht, die Chefs ihrer Firma um mehr Lohn zu bitten. Wenn sie sich aber zu einer Gewerkschaft zusammenschließen, können sie ihre Forderung besser durchsetzen. Sie können dann zum Beispiel sagen: Wenn sich nichts tut, arbeiten wir eben nicht mehr - wir streiken! Und wenn viele Leute gleichzeitig streiken, haben die Chefs ein Problem.

Dann sind Gewerkschaften durchweg eine gute Sache?

"Gegen eine Gewerkschaft spricht eigentlich nichts", sagt der Wirtschaftsexperte Hagen Lesch. Schwierig wird es erst dann, wenn die Gewerkschaft zu viel verlangt und durchsetzt, etwa mehr Urlaub und mehr Lohn und kürzere Arbeitstage. Wenn sich die Firma das nicht leisten kann, kann es heikel werden. Dann müssen vielleicht Leute entlassen werden. Im allerschlimmsten Fall geht das Unternehmen pleite. Dann sind alle Mitarbeiter ihre Jobs los. Eine Gewerkschaft muss also abwägen, wie viel sie fordern kann.

Wie mächtig sind Gewerkschaften?

Es gibt Gewerkschaften, die einen ganzen Bereich in der Wirtschaft vertreten, zum Beispiel die Chemie- oder die Metallindustrie. Andere Gewerkschaften sprechen nur für bestimmte Berufsgruppen, etwa für Lokführer, Piloten oder Ärzte. Die sind besonders mächtig. Denn Lokführer oder Ärzte kann man nicht so einfach ersetzen, wenn sie streiken. Schließlich kann der Kartenverkäufer am Bahnhof sich nicht einfach in einen Zug setzen und ihn fahren. Deshalb können Lokführer mit einem Streik den ganzen Zugverkehr lahmlegen. "Die Gewerkschaft der Lokführer kann also bei Verhandlungen mehr rausholen, weil sie mehr Macht hat. Und nicht etwa, weil Lokführer besser oder fleißiger arbeiten als zum Beispiel Kartenverkäufer", erklärt der Fachmann. Das finden viele Leute ungerecht.

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