Gewählt wird erst ab 18: Julius findet das ungerecht

Julius ist zehn Jahre alt und findet es ungerecht, dass er Politiker nicht wählen darf.

Julius Bremer ist sauer. Er ist zehn Jahre alt, und das bedeutet in Deutschland: zu jung, um Politiker zu wählen. Das ist in der Regel erst ab 18 erlaubt, also nur für Erwachsene.

Das gilt auch für die Landtagswahl am 9. Mai in Nordrhein-Westfalen. Das ist das Bundesland, in dem Julius wohnt. "Ich finde das ungerecht", sagt Julius. "Kinder haben ja auch ihre eigene Meinung." Julius würde zum Beispiel Politiker wählen, die etwas für den Naturschutz und für Kinder tun, die also zum Beispiel für bessere Spielgeräte auf Schulhöfen und Spielplätzen sorgen.

Damit die Kinder beim Wählen gut Bescheid wissen, sollten die Lehrer ab der ersten Klasse mit ihnen über Politik reden, schlägt Julius vor. Sein Vater will die Sache richtig vorantreiben. Er hat bei einem hohen deutschen Gericht eine Beschwerde eingereicht. Das Gericht heißt Bundesverfassungsgericht und ist in Karlsruhe in Baden- Württemberg. Julius' Ziel: ein Wahlrecht für Kinder. Diese Idee gibt es in Deutschland schon länger. Und sie sorgt immer wieder für Streit - oder wird gar nicht richtig ernst genommen.

Das sei totaler Unfug, Kinder hätten keine Ahnung von Politik, sagen viele. Aber einige Fachleute und Politiker machen sich stark dafür, dass Kinder wählen dürfen. Dazu gehört auch Renate Schmidt. Sie war mal Familienministerin. "Kinder sind bei uns die einzige Gruppe, die nur aufgrund ihres Alters nicht mitwählen darf. Das finde ich nicht richtig. Kinder verstehen eigentlich sehr viel von Politik, wenn man sie ihnen vernünftig erklärt", sagt Frau Schmidt. Die Politiker wären dann auch gezwungen, Politik so zu erklären, dass Kinder sie verstehen. "Damit würde sie auch für manche Erwachsene verständlicher."

Die Politikerin hat zusammen mit anderen versucht, das Wahlrecht für Kinder im Parlament durchzusetzen ­ ohne Erfolg. Die meisten Abgeordneten im Bundestag waren dagegen. Trotzdem gibt Schmidt die Hoffnung nicht auf. Es gebe immer mehr Menschen und Gruppen, die sich für ein Kinderwahlrecht stark machten, sagt die 66 Jahre alte Frau. "Ich glaube nicht, dass in den nächsten vier Jahren etwas daraus wird. Aber ich bin sicher, dass ich das noch erlebe. Ich will allerdings 98 werden. Ich hoffe nicht, dass ich noch bis dahin darauf warten muss."

Wahlrecht für Kinder: Was spricht dafür, was dagegen?

Für die einen ist es Quatsch, für die anderen eine wichtige Sache: ein Wahlrecht für Kinder. Einige Leute in Deutschland machen sich stark dafür, dass auch Kinder Politiker und Parteien wählen dürfen.

Was sagen die Leute, die sich für den Vorschlag einsetzen? Und was sagen die Gegner? Hier sind einige wichtige Punkte:

DAFÜR: - Politiker setzen sich viel mehr für Kinder ein, wenn sie auch von ihnen gewählt werden können. - Viele Entscheidungen in der Politik betreffen Kinder direkt, zum Beispiel Regeln an Schulen. Da sollen sie auch mitbestimmen. - Wenn die Kinder erwachsen sind, müssen sie mit den Folgen der Politik von heute leben. Deswegen sollen sie heute schon mitreden dürfen. - Kinder interessieren sich viel mehr für Politik, wenn sie schon früh mitbestimmen dürfen.

DADEGEN: - Viele Kinder wollen gar nicht wählen. Sie finden Politik langweilig. - Kinder haben zu wenig Ahnung von Politik. - Kinder lassen sich schnell beeinflussen. Sie wählen vermutlich Politiker, die ihnen irgendwelche Sachen versprechen, sich später aber gar nicht daran halten. - Mit 18 sind junge Leute bei uns volljährig und haben alle Rechte und Pflichten von Erwachsenen. Sie sollen auch dann erst wählen dürfen.

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