So kommt der Ton zum Film

Das Geräusche-Puzzle

Chef der Töne: Der Misch-Tonmeister Michael Kranz.

Auf der Leinwand läuft ein Kinofilm. Aber es wird nicht geredet. Ohne Ton flimmern die Bilder vorbei. Früher gab es solche Stummfilme. Heute könnte man sich so ein Kino-Abenteuer nicht mehr vorstellen.

Doch bis Bild und Ton zusammenkommen, liegt jedes Mal ein hartes Stück Arbeit vor den Filmemachern.

Wer schon mal beim Drehen dabei war, kennt den Anblick: Leute mit großen Kopfhörern stehen da herum. In der Hand halten sie lange Stäbe - die Angeln - mit Mikrofonen daran. Das sind oft Film-Tonmeister und ihre Assistenten. Die sorgen dafür, dass alles gut aufgenommen wird: Was die Schauspieler sagen - und überhaupt alle Geräusche. Das alles nennt man den O-Ton - den Original-Ton.

Für manche Szenen braucht der Film-Tonmeister noch ein paar extra Töne - Geschrei im Hintergrund oder eine fahrende Kutsche. Manchmal wiederholen die Schauspieler auch ihren Text, wenn er vorher nicht so gut zu verstehen war. Diese Nur-Töne nimmt der Tonmeister auf, ohne dass die Kamera läuft.

Auch Geräusche wie das Rauschen von Bäumen, Vogelzwitschern, Wind oder Wellen werden extra aufgenommen. Sie schaffen eine besondere Atmosphäre und heißen deshalb kurz "Atmo".

Irgendwann sind Ton und Bild dann im Kasten, also aufgenommen. Damit daraus ein richtiger Kinofilm wird, landet alles bei einem Misch-Tonmeister, zum Beispiel bei Michael Kranz.

Er ist Chef der Tonstudios bei der Bavaria Film in Grünwald bei München. Wenn Michael Kranz arbeitet, sitzt er an einem riesigen Pult mit blinkenden Lichtern. Es gibt dort unzählige Knöpfe und Schalter. Auf einer großen Leinwand sieht er sich den Film an, lässt ihn vor oder zurücklaufen. Aus dem Computer-Speicher holt er sich die passenden Töne. "Dieses Pult ist nichts anderes als eine Fernbedienung", erklärt der Fachmann.

Die Töne, die in den Film sollen, liegen einzeln auf der Computer-Festplatte. "Das ist wie ein Puzzle", sagt der Misch-Tonmeister. Er muss die Teile mit Hilfe des Computers richtig zusammensetzen: Was die Schauspieler sagen, was dabei im Hintergrund zu hören ist und die Filmmusik. Manche Geräusche werden künstlich hergestellt - zum Beispiel Feuerprasseln, Schritte oder das Rascheln von Kleidern.

Das Wichtigste dabei: Der Ton muss genau zum Bild passen. Man sagt: Beides muss synchron sein. Nicht dass die Filmfigur beim Klavierspielen zu sehen ist, die Zuschauer aber eine Kreissäge kreischen hören.

Nach mehreren Wochen ist es geschafft - Bild und Ton passen perfekt zueinander. Alles ist im Computer gespeichert. Und der Film kann ins Kino oder ins Fernsehen.

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