Gehörlose Menschen sind Augenmenschen

Amelie und ihre kleine Schwester Nicole üben das Handzeichen für "Hallo".

Wenn Kinder taub geboren werden oder später ihr Gehör verlieren, ist das auch für die Eltern schwer. Können sie ihren Kindern Gute-Nacht-Geschichten vorlesen und Schlaflieder vorsingen, wenn diese nichts hören können?

Ja, sagt Angelika Hommel aus Marktoberdorf in Bayern. Sie hat eine gehörlose Tochter, die inzwischen erwachsen ist. Im Interview erzählt Angelika Hommel, wie es war, als ihre Tochter ein Kind war.

Wann haben Sie erfahren, dass Ihre Tochter taub ist?

Angelika Hommel: "Unsere Tochter ist hörend geboren. Im Alter von etwa neun Monaten hatte sie eine Hirnhautentzündung. Durch die Krankheit hat sie ihr Gehör verloren. Als sie ungefähr ein Jahr alt war, haben wir festgestellt, dass mit ihr etwas nicht stimmt."

Haben Sie Ihrer Tochter trotzdem vorgesungen und vorgelesen?

Angelika Hommel: "Ja, natürlich. Ich habe sie dazu immer in meinen Armen gehalten. So konnte sie die Vibrationen meiner Stimme spüren. Und wir haben uns vor allem die Bilder in den Büchern angesehen. Die lieben alle Kinder."

Wie konnten Sie sich mit Ihrer Tochter verständigen?

Angelika Hommel: "Am Anfang mit Händen und Füßen und später dann mit der Gebärdensprache. Als sie schreiben konnte, haben wir auch vieles aufgeschrieben. Und man kann einem gehörlosen Kind mit Mimik und Gestik vieles sagen, also mit Bewegungen und Gesichtsausdrücken. Gehörlose Menschen sind Augenmenschen. Die saugen mit den Augen alles auf wie ein Schwamm."

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