In den vergangenen hundert Jahren änderte sich immer wieder die Uhrzeit in Deutschland

Wer hat an der Uhr gedreht?

Der Lauf der Zeit: Immer wieder gab es andere Uhrzeiten. Heute haben alle deutschen Bundesländer die gleiche Zeit. Foto: dpa

Verschiedene Uhrzeiten innerhalb Deutschlands kann man sich heute kaum vorstellen. Bis vor 120 Jahren war das aber noch Realität: In Bayern und Preußen gingen die Uhren anders. Preußen war bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges ein Land, das teilweise dort lag, wo heute Deutschland ist.

In Bayern richtete man sich nach der „Münchener Ortszeit“, in Preußen nach der „Berliner Zeit“. Die Preußen waren den Bayern damit um sieben Minuten voraus.

Als das Eisenbahnnetz dann entstand, gab es viele Probleme mit der Zeit: die Ortszeit wich von der Bahnzeit ab. Bei Reisen kam es dadurch immer wieder zu Problemen.

Also forderte die Bahn eine Vereinheitlichung der Zeit, die schließlich im Jahr 1884 in den USA umgesetzt wurde. Dabei teilte man die Welt in 24 Zeitzonen auf. Diese kennen wir heute noch. Deutschland gehört zum Beispiel zur Mitteleuropäischen Zeit, kurz MEZ genannt.

Aber auch dann gab es nicht immer eine einheitliche Zeit. Direkt nach dem Zweiten Weltkrieg brach in Deutschland ein Zeit-Chaos aus: Die drei von England, Frankreich und den USA besetzen Zonen im Westen Deutschlands hatten eine andere Zeit als die sowjetische Besatzungszone im Osten.

Außerdem regelte jeder die Sommer- und Winterzeit selbst. In Ostdeutschland richtete man sich nach der Moskauer Zeit, die uns zwei Stunden voraus ist. Wenn es in West-Berlin also 13 Uhr war, war es in Ostberlin 15 Uhr. Das galt aber nur für ein halbes Jahr.

Die Zeiten in den einzelnen Ländern sind heute an der Koordinierten Weltzeit angekoppelt, der UTC (englisch für Universal Time Coordinated). Die UTC ist nach dem nullten Längengrad ausgerichtet, der durch London läuft. Deutschland ist UTC+1, das heißt, bei uns ist es eine Stunde später als in London.

Die Luftfahrt, die ständig über mehrere Zeitzonen hinweg fliegt, arbeitet auch mit der koordinierten Weltzeit, da die Astronauten ja nicht ständig ihre Uhren umstellen können.

Die ganze Technik der Zeitumstellungen regelt die Physikalisch-Technische Bundesanstalt (PTB) in Braunschweig. Über Atomuhren schickt sie die Zeiten an alle öffentlichen und privaten Funkuhren, an die Uhren der Deutschen Bahn und an etwa 50 000 Verkehrsampeln. So soll garantiert werden, dass überall dieselbe Zeit herrscht und kein Chaos ausbricht.

Von Jessica Bassing

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