Früher gab es ohne Zeugnis keine Hochzeit

Manche haben richtig Bammel, andere nur ein leichtes Kribbeln im Bauch: Fast alle sind etwas aufgeregt, wenn am letzten Schultag die Zeugnisse verteilt werden.

Das Besondere daran ist: An dieses Gefühl erinnern sich auch viele Eltern, Großeltern, Urgroßeltern, Ururgroßeltern und so weiter. Denn Zeugnisse gibt es schon seit sehr langer Zeit.

Wann und wie Zeugnisse erfunden wurden, ist nicht genau geklärt. Eine wichtige Rolle spielte jedenfalls, dass vor rund 200 Jahren die allgemeine Schulpflicht bei uns durchgesetzt werden sollte. Das heißt: Alle Kinder sollten nun zur Schule gehen und etwas lernen. Das gab es so vorher nicht. Da hatten nur wenige Kinder Unterricht, oft die Kinder aus reichen Familien.

Viele Eltern waren von der Schulpflicht damals allerdings gar nicht begeistert. Die meisten hatten einen Bauernhof oder waren Handwerker. Da fiel jede Menge Arbeit an. Die Kinder sollten mithelfen. Wenn sie in die Schule gingen, konnten sie das nicht mehr so richtig. Auch um die Eltern ein wenig unter Druck zu setzen, führte man sogenannte Schulentlassungs-Scheine ein.

Diese Scheine waren so was wie Zeugnisse, die die Schüler bekamen, wenn sie mit der Schule fertig waren - und die ihnen wichtige Rechte verschafften. Nur wer so einen Schein hatte, durfte zum Beispiel einen Beruf lernen und bestimmte Geschäfte abschließen, etwa ein Haus kaufen. Und nur wer so ein Zeugnis vorweisen konnte, durfte heiraten. Klar, dass viele Eltern den Schulbesuch dadurch wichtiger fanden.

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