Ein Friedhofsgärtner erzählt: Habe keinen traurigen Beruf

Friedhofsgärtner Martin Struck kümmert sich um viele Dinge.

Martin Struck müsste eigentlich ein trauriger Mensch sein. Er ist Friedhofsgärtner und deshalb ständig auf Friedhöfen unterwegs - also dort, wo tote Menschen liegen.

Aber Martin Struck ist trotzdem nicht dauernd traurig. Im Gegenteil: Er lacht sogar ziemlich viel. "Es würde sich komisch anhören, wenn ich sage, dass mir mein Beruf Spaß macht ­ aber es ist ein spannender Beruf, weil ich Menschen helfen kann", sagt der 53 Jahre alte Mann.

An diesem Tag ist Martin Struck mit einer vierten Schulklasse auf einem Friedhof in Dortmund unterwegs. Er will ihnen ein bisschen über seine Arbeit und die seiner Kollegen erzählen. Wenn etwa die Familie keine Zeit hat, übernehmen sie nämlich die Pflege der Gräber.

"Die Friedhofsgärtner besprechen mit den Angehörigen, wie das Grab aussehen soll", sagt Struck. Die Angehörigen können zum Beispiel sagen, welche Blumen und Sträucher darauf gepflanzt werden sollen. Der Friedhofsgärtner kümmert sich dann darum. Dafür bekommt er Geld.

Doch Martin Struck versucht zum Beispiel auch, Menschen zu trösten. Vielen Menschen tut es gut, ein bisschen über den Verstorbenen zu reden oder sie freuen sich, wenn auf dem Grab schöne Blumen wachsen.

Was für Gräber gibt es alles?

Auf manchen Gräbern stehen Engel. Hinter einem Grabstein guckt ein Hase aus Porzellan hervor. Vor einem anderen steht ein großer Topf mit Osterglocken. Gräber auf einem Friedhof sehen meist ganz unterschiedlich aus.

Und auch die Grabsteine unterscheiden sich. Manche haben die Form eines Kreuzes. "Hier liegt ein gläubiger Mensch", erklärt Friedhofsgärtner Martin Struck. Denn das Kreuz ist ein wichtiges Zeichen für Christen.

Andere Steine sehen richtig kunstvoll aus. Sie zeigen zum Beispiel eine Figur, die aus Stein geschnitzt ist. Oder der Stein erinnert an ein aufgeschlagenes Buch. "Die Menschen waren ja auch zu Lebzeiten unterschiedlich", sagt Struck.

Die neun Jahre alte Carina gehört zu der 4. Klasse, die der Gärtner herumführt. Sie kennt sich aus, auf einem Friedhof. Denn Carina kümmert sich mit ihrer Familie selbst um das Grab ihrer Oma. "Wir sammeln zum Beispiel die Blätter vom Grab und pflanzen neue Blumen", sagt sie. Ihre Oma ist vor zwei Jahren gestorben. "Sie ist verbrannt worden und wir haben die Urne mit der Asche auf den Friedhof gebracht", sagt Carina. Auch Lara geht manchmal auf den Friedhof - mit ihrer Oma zum Grab von deren Mama, also Laras Uroma. Bei dem Besuch geht es nicht nur um Grabpflege. Sondern die beiden reden über Laras Uroma. "Oma erzählt dann ganz viel von ihrer Mutter", sagt die Neunjährige. Ein Friedhof ist eben nicht nur ein trauriger Ort. Hier kann man sich auch an die lustigen Stunden mit einem Menschen erinnern.

Hintergrund: Wie begraben andere Menschen ihre Toten?

Auf der ganzen Welt haben Menschen eigene Bräuche, ihre Toten zu beerdigen. Das hat meist etwas damit zu tun, wie sich die Leute das Leben nach dem Tod vorstellen. Und das hängt oft eng zusammen mit ihrem Glauben, also mit ihrer Religion. Zu den großen Religionen der Welt gehören das Christentum, der Hinduismus oder der Islam. Hier sind Beispiele, wie dort Tote bestattet werden:

- HINDUISMUS: Im Hinduismus werden die Toten verbrannt. Die Hindus glauben, dass zum Beispiel durch das Feuer eine Art Reinigung passiert. In Indien gibt es für die Verbrennung auch eigene Plätze. Die Asche wird dann meist in den Fluss Ganges gestreut oder vergraben. Die Hindus glauben daran, dass sie sich in einem Kreislauf befinden. Sie meinen, dass sie nach dem Tod etwa als Tier, Pflanze oder Mensch wiedergeboren werden und dann irgendwann wieder sterben. Das geht so lange, bis die Erlösung kommt.

- JUDENTUM: Die Juden bestatten ihre Toten in Gräbern. Sie glauben daran, dass sie auferstehen. Wenn sie die Gräber ihrer Angehörigen besuchen, legen sie dort oft Steine ab. Für diesen Brauch gibt es viele Erklärungen. Die Steine könnten zum Beispiel an früher erinnern: Als das Volk der Israeliten durch die Wüste wanderte und die Gräber nur mit Sand und Steinen befestigen konnte. Die Juden sehen sich als Nachkommen der Israeliten.

- ISLAM: Im Islam gibt es viele Regeln für die Bestattung. Zum Beispiel werden die Menschen so in die Gräber gelegt, dass sie nach Mekka schauen. Mekka liegt in Saudi-Arabien und ist für Muslime der heiligste Ort. Dort ist Mohammed geboren worden. Er hat die Religion begründet. Und dorthin soll jeder Muslim einmal im Leben pilgern.

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