Auf der Internetseite Herolymp.de können Computerspieler ihre Avatare beerdigen

Ein Friedhof für Helden

Friedhof für Computerspiel-Helden: Auf der Interseite Herolymp lassen sich Avatare beerdigen. Foto: dpa/Montage: Moriße

Über viele Jahre war Albion ein treuer Gefährte. Einer, der Markus immer zur Seite stand. Er war online, wenn Markus es war. Und er kämpfte, wenn Markus es wollte. Denn Albion war seine Spielfigur im Rollenspieluniversum World of Warcraft. Nun ist seine Spielfigur, auch Avatar genannt, tot. Ganz offiziell. Denn er liegt auf dem virtuellen Friedhof Herolymp begraben.

Herolymp ist eine Internetseite, auf der sich Computerspieler von ihren Pixelhelden verabschieden können. Die Spieler tragen sie zu Grabe, indem sie einen kurzen Steckbrief und ein Foto auf die Seite hochladen und erklären, weshalb sie ihre Avatare loswerden wollen.

Was lustig klingt, hat einen ernsten Hintergrund. Denn immer mehr Kinder und Jugendliche sind computerspielsüchtig. Sie denken an nichts anderes mehr, verbringen ihre gesamte Freizeit vor dem Bildschirm und verlieren Freunde im echten Leben. Das macht einsam und unglücklich.

Daher haben Drogenbeauftragte der südhessischen Stadt Frankfurt www.herolymp.de eingerichtet. Dort kann jeder seine Spielfigur beerdigen, bevor das echte Leben aus den Rudern läuft.

Markus hat rechtzeitig gemerkt, dass Computerspiele Spaß machen, aber nicht das Leben bestimmen sollten. Auf Herolymp schreibt er: „Hier ruht mein Avatar Albion, ich habe mit ihm viel Zeit verbracht. Leider hab ich in der Zeit alle Freunde und sonstige Kontakte verloren. Manche Tage hab ich mehr Zeit vor dem PC als im richtigen Leben verbracht. Hier begrabe ich ihn offiziell.“

Auch wenn der Online-Friedhof keine psychologische Betreuung ersetzen kann, hat er einen nicht zu unterschätzenden symbolischen Wert: Mehr als 200 Avatare sind seit dem Start im Juni schon dort begraben.

Von Stefan Morisse

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