Friedensforscher wollen verstehen, warum es Krieg gibt

Wie entsteht ein Krieg? Thorsten Gromes arbeitet als Friedensforscher.

Libyen, Pakistan, Eritrea, Ruanda, Senegal .... überall auf der Welt gibt es Kriege und kriegerische Auseinandersetzungen. Mal geht es um Macht-, mal um Rohstoff- oder auch um Glaubensfragen. Doch wie wird aus einem lokal begrenzten Konflikt ein Krieg?

Wenn Thorsten Gromes morgens ins Büro kommt, liest er erst mal Zeitung. Deutsche Nachrichten interessieren ihn dabei weniger.

Er will viel lieber wissen, was in Bosnien-Herzegowina in Südosteuropa passiert. Thorsten Gromes verfolgt die Nachrichten aus dieser Region genau. Der 36-Jährige ist Friedensforscher und das Land Bosnien und Herzegowina ist sein Spezialgebiet.

Viele Friedensforscher haben eine Gegend, mit der sie sich besonders gut auskennen. Meistens gab es dort Krieg, es gibt Krieg oder es könnte Krieg geben. Friedensforscher wollen verstehen, warum es knallt. Und wie man Frieden möglich machen oder bewahren könnte.

Thorsten Gromes untersucht diese Dinge nicht nur in seinem Büro. "Ein paar Wochen im Jahr bin ich in Bosnien-Herzegowina", erzählt er. "Ich rede dann mit Politikern und anderen Menschen und stelle Fragen." Zum Beispiel: Was halten Sie von den anderen Volksgruppen? Er möchte verstehen, warum das Zusammenleben so schwierig ist.

In Bosnien-Herzegowina ist vor rund 15 Jahren ein Krieg zu Ende gegangen, bei dem sich verschiedene Völker darum gestritten haben, ob sie einen gemeinsamen Staat haben wollen. Die einen waren dafür, andere wollten sich lieber abspalten und ihre eigenen Grenzen ziehen.

Der Krieg ist zwar vorbei, aber das Problem ist bis heute nicht gelöst. In dem gemeinsamen Staat leben die verschiedenen Gruppen sehr getrennt. Sie haben eigene Zeitungen, Fernsehsender und Parteien. "Und weil sie so wenig miteinander zu tun haben, werden sie sich immer fremder", sagt Thorsten Gromes. Das tue dem Frieden nicht gut.

Die Ergebnisse seiner Forschung trägt der Fachmann vor, zum Beispiel vor Politikern oder anderen Wissenschaftlern. Er gibt sein Wissen auch weiter, indem er es zum Beispiel in Aufsätzen, Zeitungsartikeln oder Büchern aufschreibt. Falls Politiker bei uns und in Bosnien-Herzegowina die Texte lesen, verstehen sie vielleicht besser, wie man den Frieden in dem Land stärken kann.

Thorsten Gromes hofft, dass sie dann die richtigen Entscheidungen treffen. Er selbst kann nichts bestimmen, er kann nur beraten. "Das ist manchmal frustrierend", erzählt er. "Wenn wir etwa davor warnen, dass sich irgendwo etwas zusammenbraut - und niemand tut was!" Andererseits ist er auch froh, dass er selbst keine Entscheidungen treffen muss. "Denn das ist eine riesige Verantwortung."

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