Expertin: Mitgefühl ist der Klebstoff von Freundschaft

Expertin Larissa Wolkenstein findet Mitgefühl wichtig.

"Die armen Menschen in Japan." Das hört man in den letzten Tagen viele Leute sagen. Denn überall auf der Welt sitzen Millionen Menschen vor den Fernsehern, Radios oder lesen, was in dem Land in Asien passiert.

Nach dem Erdbeben und der Flutwelle erreichen uns von dort schlimme Bilder: Menschen stehen vor ihren zerstörten Häusern oder weinen um Freunde oder Familie. Die meisten Leute lässt es nicht kalt, wenn sie solche Szenen sehen. Warum das so ist, weiß Expertin Larissa Wolkenstein. Uns erzählt die 31-Jährige, was mit uns passiert, wenn wir mitfühlen.

Was ist Mitgefühl überhaupt?

Larissa Wolkenstein: "Mitgefühl bedeutet, dass wir uns vorstellen können, was in anderen Menschen vor sich geht. Also was sie denken oder fühlen oder welche Wünsche sie haben. Es gibt dafür auch einen Fachausdruck. Der heißt Empathie."

Warum fühlen wir mit Menschen, die wir noch nie gesehen haben - wie im Fall von Japan?

Larissa Wolkenstein: "Das kann damit zusammenhängen: Wir wissen vielleicht aus eigener Erfahrung, wie man sich fühlt, wenn etwas Schlimmes passiert. Wenn wir zum Beispiel hören, dass Menschen bei dem Unglück in Japan gestorben sind - dann können wir uns vorstellen, wie traurig deren Familienangehörige sein müssen. Wenn wir dann noch jemanden im Fernsehen sehen, der weint, lassen wir uns vielleicht sogar von seiner Trauer anstecken. Das heißt aber nicht, dass wir direkt anfangen zu weinen. Aber Experten haben festgestellt, dass sich unser Gesichtsausdruck ganz leicht verändert. Wir legen die Stirn etwas in Falten - ein bisschen so, wie jemand der weint."

Was macht Mitgefühl mit uns?

Larissa Wolkenstein: "Wir wollen versuchen zu helfen. Bei dem Unglück in Japan überlegen sich manche Leute vielleicht, ob sie Geld spenden. Andere wollen unter Umständen sogar hinfliegen, um direkt vor Ort mit anzupacken."

Kann es denn schlecht sein, zu viel Mitgefühl zu haben?

Larissa Wolkenstein: "Na ja. Es kann für jemanden schon unangenehm sein. Zum Beispiel dann, wenn er sehr schnell anfängt, über das Problem von einem anderen zu grübeln. Denn vielleicht kann er das Problem gar nicht lösen. Aber generell ist viel Mitgefühl gut! Denn das ist der Klebstoff für unsere Beziehungen und Freundschaften. Unsere Freunde erwarten schließlich, dass wir mit ihnen fühlen."

Hat denn jeder Mensch Mitgefühl?

Larissa Wolkenstein: "Eigentlich ja. Die einen Menschen haben mehr Mitgefühl, die anderen weniger. Es gibt aber auch Krankheiten, bei denen Menschen nur sehr wenig Mitgefühl empfinden können. Manchmal können dann Fachleute helfen."

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