Einfach ausknipsen, oder was? - Ein AKW geht vom Netz

So ein Atomkraftwerk abzuschalten braucht seine Zeit.

Eigentlich wird schon immer viel über sie geredet, aber in den letzten Tagen kommt man gar nicht um sie herum: Atomkraftwerke. Oder kurz: AKWs.

In jeder Nachrichtensendung im Fernsehen oder Radio und in Zeitungen geht es um die Anlagen zum Herstellen von Strom. Denn in Japan in Asien wurden Atomkraftwerke bei einem Erdbeben und von einer Riesenwelle beschädigt.

Nun befürchten Leute überall auf der Welt: Sehr viel gefährliche Strahlung könnte aus den Anlagen entweichen. Auch Menschen bei uns sind beunruhigt und fragen sich: Sind denn die Atomkraftwerke in Deutschland sicher? Das ruft die Politiker auf den Plan. Bundeskanzlerin Angela Merkel kündigte an, dass mehrere unserer Atomkraftwerke kurze Zeit vom Netz gehen sollen. Man will prüfen, wie es um die Sicherheit steht. Aber was heißt "vom Netz gehen" genau?

"Vom Netz gehen ist ein Begriff, den Fachleute verwenden. Er bedeutet, dass die Atomkraftwerke keinen Strom mehr für das große Stromnetz in Deutschland produzieren", erklärt Experte Christopher Weßelmann. Der 46-Jährige arbeitet für eine Fachzeitschrift, die sich mit dem Thema Atom beschäftigt.

Der Experte sagt: "Ein Atomkraftwerk geht jedes Jahr mal vom Netz. Das ist eine normale Sache." Zum Beispiel wenn Überprüfungen stattfinden, die wochenlang dauern. Da kommen dann Fachleute und schauen sich an, ob etwa Leitungen und Ventile noch funktionieren. Also wird ein Atomkraftwerk einfach an einem Schalter ausgeknipst und alle Mitarbeiter gehen nach Hause? "Nein, das heißt es nicht. Sie bleiben. Denn ein Atomkraftwerk ist nie steuerlos", erklärt Christopher Weßelmann.

Dass immer Hunderte Mitarbeiter da sein müssen, liegt auch an ihnen: Den Brennstäben in einem Atomkraftwerk. Sie senden nicht nur gefährliche Strahlen aus, sondern sie produzieren auch jede Menge Hitze. Deshalb müssen die Brennstäbe immer weiter mit Wasser gekühlt werden - auch wenn das Atomkraftwerk keinen Strom mehr herstellt. Denn die Brennstäbe sind eine Art Atomfeuer, das man nicht löschen kann.

Wenn ein Atomkraftwerk abgeschaltet wird, werden also nicht die Brennstäbe ausgemacht - sondern es wird eine Kettenreaktion im Wasser unterbrochen. Denn die Brennstäbe werden im Wasser mit winzigen Teilchen beschossen: Dabei entsteht auch die Hitze, die man zum Herstellen des Stroms braucht. Damit diese Kettenreaktion aufhört, werden bestimmte Stäbe ins Wasser eingeführt. Die Stäbe enthalten Materialien, die die Reaktion stoppen.

"Im Notfall kann man die Kettenreaktion innerhalb von Sekunden stoppen. Dazu lässt man von oben Steuerstäbe in das Wasser fallen oder schießt sie von unten rein. In dem Fall jetzt wurden die Stäbe aber langsam eingeführt über mehrere Stunden", sagt der Fachmann.

Wenn die Kettenreaktion dann aufgehört hat, wird noch ein Ventil zugeschraubt. Dann läuft die Turbine nicht mehr. Die Turbine ist nämlich mit der Maschine verbunden, die letztlich den Strom herstellt. Dann werden auch die Anlagen angeschaltet, die zusätzlich dabei helfen, die Brennstäbe zu kühlen. Und was machen dann noch die Mitarbeiter im Atomkraftwerk? Sie schauen natürlich, dass das Kühlsystem funktioniert. Und sie machen Kontrollgänge, bei denen sie schauen, ob alles Okay ist - dass es zum Beispiel nirgends tropft.

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