Eine Trillerpfeife für zwölf Flaschen Ketchup

Die Schiedsrichterin Jacqueline Herrmann (18) hat keine Angst vor großen Männern.

Ganz schön mutig: Während sich ihre Freundinnen am Wochenende zum Eis essen und Einkaufen treffen, lässt sich Jacqueline Herrmann auf dem Fußballplatz lieber von Männern anbrüllen.

Sie ist erst achtzehn Jahre alt und schon seit vier Jahren Schiedsrichterin. "Wenn ich mit den Mannschaften zusammen auf das Feld laufe, bin ich jedes Mal stolz, Schiedsrichterin zu sein", sagt sie.

"Ey Schiri, das musst du doch sehen!" Schreiend rast ein Spieler im blauen Trikot auf Jacqueline zu. Von außerhalb des Spielfeldes sieht er doppelt so groß und doppelt so schwer aus wie die zierliche Schiedsrichterin mit ihrem langen, blonden Zopf. Die lässt sich davon aber nicht beeindrucken und zeigt ihm wortlos die Gelbe Karte. Wütend dampft der Kicker wieder ab.

"Es gibt eine goldene Regel", erklärt Jacqueline selbstbewusst. "Je größer der Spieler ist, desto mehr Abstand muss man zu ihm auf dem Feld haben." Zu klein oder jung fühlt sie sich nicht. "Man darf keine Angst vor ungewohnten Situationen haben. Das habe ich schnell gelernt", sagt sie.

Frisch geduscht sitzt Jacqueline nach dem Spiel SV Wilhelmsburg gegen BW Ellas in Hamburg im Vereinsheim. Sie trinkt ein Wasser und erzählt: "Mein Vater und mein Bruder sind auch Schiedsrichter und ich fand das schon als Kind toll. Kurz vor meinem vierzehnten Geburtstag boten mir Freunde zwölf Flaschen Ketchup, wenn ich den Schiedsrichterschein mache. Ich war verrückt nach dem Zeug, also habe ich sofort Ja gesagt."

Etwa vier bis fünf Spiele pro Monat pfeift Jacqueline. Weil sie so gut ist, durfte sie sogar schon mal in der 2. Frauen-Bundesliga assistieren. "Das ist toll, weil ich dann in andere Städte fahren kann. Ich liebe reisen." Am liebsten würde sie mal nach Australien fahren. Aber erstmal steht nach der Schule eine Ausbildung zur Bankkauffrau an.

Schiedsrichtern wird sie an den Wochenenden aber weiterhin. Und manchmal sind die Spieler auch richtig nett zu ihr - so wie heute. Die Mannschaft aus Wilhelmsburg lädt sie im Vereinsheim zu sich an den Tisch ein. Es gibt Hähnchen mit Pommes. Dann stimmen die Spieler ein lautes, dreifaches "Hipp Hipp Hurra!" für sie an. "Das war bisher mein schönstes Erlebnis als Schiedsrichterin", sagt sie danach strahlend.

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